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redeFreiheit

Jeder Vorstellungsabend wird von einem Redner eröffnet. Es sprechen:

25.8.11 - Burghart Schmidt über den metropolischen Hintergrund der Märchen von 1001 Nacht
26.8.11 - Jaleh Lackner-Gohari über Sheherazad und ihre Erzählungen heute
27.8.11 - Herbert Lachmayer über Bühnen pornosophischer Konversation
29.8.11 - Martin Reinhart über Bagdad zwischen Blitzkrieg und Reichskanzlei
30.8.11 - Bert Fragner über die Verzauberung durch Erzählen:  Geschichten in Geschichten in orientalischen Märchen
31.8.11 - Claudia Ott über Tausendundeine Nacht
02.9.11 - Annemarie Boensch über Hosen: orientalisch bis indisch
03.9.11 - Parvis Mamnun über das Erzählen als Kunst des Müßiggangs
04.9.11 - Immanuel Bomze über Schicksal, Glück und Stochastik
07.9.11 - Peter Kubelka vom Hundertsten ins Tausendundeine
08.9.11 - Irene Montjoye über die heilige Sinnlichkeit
09.9.11 - Rudolf Taschner über die 1002. Erzählung von den 1000 falschen und dem 1 wahren Märchen

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Über den West-Östlichen Diwan Geothes schreibt Heinrich Heine in Die romantische Schule: „Unbeschreiblich ist der Zauber dieses Buches: es ist ein Selam, den der Okzident dem Oriente geschickt hat, und es sind gar närrische Blumen darunter: sinnlich rote Rosen, Hortensien wie weiße nackte Mädchenbusen, spaßhaftes Löwenmaul, Purpurdigitalis wie lange Mädchenfinger, verdrehte Krokosnasen, und in der Mitte, lauschend verborgen, stille deutsche Veilchen. Dieser Selam aber bedeutet, daß der Okzident seines frierend mageren Spiritualismus überdrüssig geworden und an der gesunden Körperwelt des Orients sich wieder erlaben möchte.

„Das ist der Orient, wie ihn der französische Dichter sah! Das ist der Orient der Bücher, von denen pro Minute eine Million gedruckt werden! Doch es gab weder gestern, noch gibt es heute so einen Orient, und es wird ihn auch morgen nicht geben!“ antwortet Nâzim Hikmet in Piyer Loti, 1925

„Und die Geister des Orients sind auch gross. Wenn's Neumond ist, versammeln sie sich auf dem Demawand und benehmen sich da sehr laut - sehr laut. Die Dschinnen kreischen und quieken. Die Drachen fauchen und grunzen. Die Feeen zischen und quarren. Die Zwerge husten und prusten. Die bösen Gespenster braschen und plärren. Die starken Narren prügeln sich. Und die grossen Götter schleudern mächtige Felsblöcke in die dunklen Thäler hinab, dass Alles kracht. Auf dem Demawand heult's, brummt's, knistert's. Die harten Berge knarren, knacken, bersten. Die Unsichtbaren jammern jubelnd, zerstampfen und zerscharren die Steine, sausen sich verschnaufend vorüber - und stöhnen wie aus weiter Ferne. Alte Graubärte halten lange lange Reden. Und dazwischen donnert's, dass das ganze Gebirge platzt. Gleich danach klingen von unten herauf helle feine Glocken - die guten Geister flüstern und singen dazu. Und dann schreien plötzlich Alle durcheinander. Wüster Lärm! Wüster Lärm!“
Paul Scheerbart
, Der Tod der Barmekiden. Arabischer Haremsroman. München 1897

Weiters lässt er darin Löwen über die Frauenfrage diskutieren: „Der Orient hat namentlich in der Frauenfrage schon vor vielen Jahrtausenden das entscheidende Wort gesprochen. Er hat die Frauen in drei Klassen eingeteilt: in Mütter, Kebsweiber und Hetären; die beiden ersteren werden in den Harem, die letztere ins Bordell gethan - und Alles ist gut und schön. Wir werden im weiteren Verlaufe des Schauspiels noch öfters Gelegenheit haben, die Vortrefflichkeit der orientalischen Behandlung aller Frauenfragen auf allen Seiten hübsch und kräftig zu beleuchten.“

Über die Erzählungen im arabischen Raum sagt Hugo Winckler: Was [der Semit] dichtet, ist eine Vergrösserung und Verstärkung der realen Welt: alle Herrlichkeit der Umgebung ins Gigantische vergrössert und verzerrt, das ist alles, was er zu träumen vermag... Es ist das Kind, [...] dem das doppelte Mass Zucker begehrenswerter erscheint als das richtige.

Egon Fridell nennt das Weltbild „magisch und realistisch, was sich ganz gut miteinander verträgt, denn auch die Magie ist eine Art Realismus, der sich der Wirklichkeit bemächtigen will, nur mit anderen Methoden als den uns geläufigen.“

1936 schrieb Egon Fridell in seiner Kulturgeschichte des Alten Orient:„ Die Weltherrschaft der Sargons, Hammurabis, Nebukadnezars und all der anderen, sie sind zu Staub zerbröckelt mitsamt ihren Völkern, die nur noch in Büchern leben; das Riesenreich der Araber, einstmals der Schrecken der Menschheit, seine prachtvollen Glieder dehnend von Bagdad bis Granada, ist heute nur noch in blasses Gerücht, und längst wieder sind seine Beherrscher, was sie vorher waren: armselige Kameltreiber und Söhne der Wildnis.“ Heute kann man den Hang zur repräsentativen Hypertrophie, zur Übertreibung und zum Unmässigen in allen erdölfördernden Ländern wieder beobachten.

Karl Friedrich Flögel: Geschichte des Grotesk-Komischen: Was ich am Orient liebe, ist diese Größe, die nichts von sich weiß, und die Harmonie disparater Dinge. Ich erinnere mich an einen badenden Mann, der an einem Arm ein silbernes Armband trug und an dem andern ein Blasenpflaster. Das ist der wahre Orient und infolgedessen der poetische: Kerle in tressenverzierten Lumpen und ganz mit Ungeziefer bedeckt. Laßt doch das Ungeziefer, es ergibt in der Sonne goldene Arabesken.