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Kurier / Tirol , 2. November 2004, Winfried W. Linde

Theater: Humorellen und Operalien - In den Kammerspielen gab es sieben Uraufführungen von Mini-Opern

Betrachtet man, wie Voltaire, die Geschichte auf Grund ihrer kulturellen Entwicklung, so ist man in den Kammerspielen des Tiroler Landestheaters bei den "Operellen" richtig. Betrachtet man als Besucher die Oper als Werk des Ausdruckes von Zeitgeist und Individualismus des Einzelnen in der Gegenwart, dann auch. Wer aber das Theater als Hort der Unterhaltung will, der muss sich tief in die psychologischen Schein-Wirklichkeiten der Kunst vertiefen.
In Zusammenarbeit mit dem "sireneOperntheater Wien" produzierte man im Tiroler Landestheater Mini-Werke von zeitgenössischen AutorInnen als Librettisten und gewann renommierte Komponisten als Musik-Schöpfer. Einzige Vorgabe an die schöpferischen Menschen: Johanna und Johann, ein Zwerg, ein Dieb und eben Voltaire mussten in den Werken vorkommen.
Kristine Tornquist (Bühnenbild: Walter Vogelweider, Kostüme: Julia Libiseller) hat eine fesselnde, dadaistisch und auch grotesk absurde, vielfach auch existenzialistische Show inszeniert, die die Protagonisten fordert und das Orchester, diesfalls das Tiroler Ensemble für Neue Musik unter der Leitung von Dorian Keilhack, gewaltig herausfordert.
Es sind Texte, die sich (ohne der Musik) der konkreten Poesie nähern, dem absurden Theater von Tardieu oder Ionesco. Weltliteratur des 20. Jahrhunderts, jenseits von Voltaire, aber immer aufklärerisch als Botschaft, lässt ein bisschen grüssen.
Voltaire als roter Faden durch Teil-Zitate und vorhandene Assoziationen:
- "HerbstLosZeitlos" von Walter Titz und Peter Planyavsky stand am Beginn mit Herzen und Rosen und viel Ironie - Herz verloren, Herz gestohlen...".
- Hosea Rathschiller und Lukas Tagwerker als Librettisten und Akos Banlaky als Komponist zeigten "Schock - ein Hunderennen" mit Musical-Elementen.
- Hermes Phettberg nahm sich, gemeinsam mit Komponist Gilbert Handler, der Depression des Alltags in "Schutt" an.
- Friederike Mayröcker schuf einen meditativen Text für die Musik von Wolfram Wagner, die sehr verinnerlicht ist: Titel "Stretta".
- Wolfgang Bauer überzeugte mit einer Parodie eines Streichquartettes ("Das gestohlene Herz") und der Musik von Jury Everhartz.
- Radek Knapp und Christof Dienz überzeugten mit "Die vertauschten Köpfe" und liessen Assoziationen auf Vorgänge in der Gegenwart zu, während
- Regisseurin Kristine Tornquist als Finale zur genialen Musik von Kurt Schwertsik den "Schlaf der Gerechten" als Metapher über Eitelkeit und Selbstbetrug beitrug.
Das Ensemble - Renate Fankhauser, Shauna Elkin, Dan Chamandy, Michael Wagner und ein vielseitiger Klaus Rohrmoser mit Sprechgesang - bewältigte die schwierige Aufgabe brillant.

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