sireneoperntheater_7240_c_friess.jpg sireneoperntheater_8102_c_friess.jpg sireneoperntheater_7063_c_friess.jpg sireneoperntheater_7099_c_friess.jpg sireneoperntheater_6599_c_friess.jpg Schicksal_GP_c_Nadja-Meister-16.jpg sireneoperntheater_8041_c_friess.jpg Hoffnung_GP_c_Nadja-Meister-8.jpg sireneoperntheater_8142_c_friess.jpg Hoffnung_GP_c_Nadja-Meister-70.jpg sireneoperntheater_6503_c_friess.jpg sireneoperntheater_8191_c_friess.jpg sireneoperntheater_7071_c_friess.jpg sireneoperntheater_6373_c_friess.jpg Schicksal_GP_c_Nadja-Meister-55.jpg sireneoperntheater_7042_c_friess.jpg sireneoperntheater_7149_c_friess.jpg sireneoperntheater_6994_c_friess.jpg sireneoperntheater_8215_c_friess.jpg sireneoperntheater_7233_c_friess.jpg Hoffnung_GP_c_Nadja-Meister-58.jpg sireneoperntheater_7314_c_friess_01.jpg sireneoperntheater_6394_c_friess.jpg sireneoperntheater_6432_c_friess.jpg sireneoperntheater_6371_c_friess.jpg sireneoperntheater_6571_c_friess.jpg Schicksal_GP_c_Nadja-Meister-57.jpg Hoffnung_GP_c_Nadja-Meister-43.jpg sireneoperntheater_7842_c_friess.jpg sireneoperntheater_7964_c_friess.jpg sireneoperntheater_6611_c_friess.jpg Hoffnung_GP_c_Nadja-Meister-18.jpg sireneoperntheater_7850_c_friess.jpg sireneoperntheater_6342_c_friess.jpg sireneoperntheater_6604_c_friess.jpg sireneoperntheater_7994_c_friess.jpg Schicksal_GP_c_Nadja-Meister-80.jpg sireneoperntheater_6485_c_friess.jpg sireneoperntheater_8071_c_friess.jpg sireneoperntheater_6567_c_friess.jpg sireneoperntheater_7144_c_friess.jpg sireneoperntheater_7372_c_friess.jpg sireneoperntheater_7157_c_friess.jpg sireneoperntheater_zumurrud1_c_friess.jpg Hoffnung_GP_c_Nadja-Meister-53.jpg sireneoperntheater_7840_c_friess.jpg sireneoperntheater_7867_c_friess.jpg sireneoperntheater_zumurrud2_c_friess.jpg IMG_6947.jpg sireneoperntheater_7939_c_friess.jpg

Harun und Dschafar

Musik. Rene Clemencic
Text. Kristine Tornquist

Harun ar-Raschid, Kalif von Bagdad. Dan Chamandy
Dschafar al-Barmaki, sein Freund und Wesir. Andreas Jankowitsch
Masrur, Scharfrichter und Vertrauter des Kalifen. Jens Waldig
Subaida, Lieblingsfrau des Kalifen. Solmaaz Adeli
Abbasa, Lieblingsschwester des Kalifen. Lisa Rombach
Yahya al-Barmaki, Wesir und Dschafars Vater. John Sweeney
Tagelöhner mit dem roten Turban. Rupert Bergmann
Tagelöhner mit dem grünen Turban. Erwin Belakowitsch
Volk.
Barbara Braun. Christian Kohlhofer. Tristan Jorde. Katharina Köller. Stefan Kurt Reiter. Benedikt & Gaban Büllingen

Der Kalif und sein Wesir
Das Kleid mit den zwei Ausschnitten ist kein Einfall der Regie. Dieses Kleid liess Harun für sich und seinen engsten Freund und Milchbruder Dschafar (Austausch der Kinder beim Stillen sollte die Verbindung zwischen zwei Familien stärken) schneidern, als noch keine Rede davon war, dass Harun der grosse Kalif werden könnte, als der er in den Erzählungen aus 1001 Nacht unsterblich geworden ist. Dschafar war der Sohn seines Erziehers Yahya, des Wesir von haruns Vater Mahdi. Der Sänger Ibrahim Ishak verglich Dschafars Schönheit mit dem Gold, das der Vergolder zart über das Blatt eines Buches streicht. Von den beiden Freunden gibt es unzählige Berichte ihrer jugendlichen Streiche, in vielen schwingen auch homoerotische Andeutungen mit.
Harun ar-Raschid (766-809) bestieg nach der Ermordung seines älteren Bruders Hadi durch ihre gemeinsame Mutter Kaizuran mit 20 Jahren den Thron und herrschte in der Blütezeit des Abbasiden-Kalifates 23 Jahre lang. Sein erste Handlung war, das Siegel des Kalifats an Yahya al Barmaki zu übergeben. Er machte erst Yahya, später dessen Söhne al-Fadl und Dschafar zu Wesiren. Das war eine gute Wahl - die Barmakiden waren eine feinsinnige und gebildete Familie, die das riesige Reich trotz aller Aufstände in den ferneren Provinzen über Jahrzehnte stabil hielten. Die Funktion der Wesire hatte sich aus den Schreibern entwickelt, die meist Konvertiten aus Persien waren - urspünglich Zaratustra-Anhänger. Auch die Barmakiden kamen aus Chorasan, einer Provinz im östlichen Persien. Während die Kalifen vor ihm gleichermassen weltlich wie geistig herrschten, übergab Harun seiner Wesirsfamilie grössere Rechte und Befugnisse, als je zuvor Wesire hatten. Harun zog sich selbst auf die geistliche Oberherrschaft als Nachfolger von Mohammed zurück. Doch der Umgang mit dem Herrscher und seiner Familie war diplomatisches Kunststück. Harun galt als gläubig, lebenslustig, kunstsinnig, aber auch als jähzornig  und grausam und vertrug keinen Widerspruch. Von Yahya al-Barmaki ist folgende Einschätzung überliefert: Wenn man sich dem Kalifen in einer Frage widersetzt, bedeutet das, ihn dazu anzustacheln. Wenn man den Kalifen an etwas hindern will, muss man ihn also dazu anstacheln. Harun ar-Raschid sagte später über die von ihm befohlene Köpfung seines einstigen Freundes im Jahr 802: „Wenn meine rechte Hand wüsste, warum ich dies tat, ich würde sie abschneiden.“ Doch tatsächlich hatte er einige gute Gründe. Davon ist die Legende von der verbotenen Liason mit Haruns Schwester Abbasa - sofern sie überhaupt stattgefunden hat - zwar die romantischte, aber auch die unwahrscheinlichste. Vielmehr müssen Macht, Selbstbewusstsein und der enorme Reichtum, die die grosse Familie der Barmakiden auf sich versammelten, spätestens als er seine Thronnachfolge bestimmte, den Kalifen irritiert haben. Während Harun auf Amin, den weniger begabten seiner beiden Söhne, setzte, weil er der Sohn seiner Lieblingsfrau Subaida war, spielte Dschafar in den Intrigen um die Erbfolge auf der anderen Seite für Haruns zweiten Sohn Mamun. Damit zog sich Dschafar den Zorn Subaidas auf sich. Über Subaida sagt ein Historiker kryptisch: Hätte sie keinen Zopf, sich zu bedecken, könnte sie ihre Hand Kalifen und Söhnen von Kalifen reichen. Sie war nicht die einzige Feindin der Familie. Die Macht der Barmakiden war zu gross geworden.

Harun und Dschafar - Inhalt
Als Harun ar-Raschid (618 – 907) zum Kalifen ernannt wird, wählt er seinen engen Freund Dschafar al-Barmaki zum Wesir. Die beiden sind lange unzertrennlich und Dschafar vergisst die goldene Regel, die ihm sein Vater beigebracht hat: Vertraue nie dem Mächtigen, fürchte ihn vielmehr! Harun möchte mit ihm und seiner eifersüchtig bewachten Lieblingsschwester Abbasa gemeinsam feiern. Damit das nicht gegen die Sitten ist, lässt er die beiden heiraten, verbietet ihnen aber, die Ehe zu vollziehen. Doch die beiden beginnen eine heimliche Liason. Zugleich beginnt Subaida, Haruns Hauptfrau eine Intrige gegen die mächtig gewordene Familie von Dschafar. Das kostet Dschafar das Leben, Harun lässt ihn köpfen.

René Clemencic über seine Komposition

Sofort nach dem Lesen des Librettos „Harun und Dschafar“ war mir schlagartig die musikalische Struktur des Operneinakters bewußt, die sich für mich als Struktur des instrumentalen Aufbaus (3 Trompeten, 2 Schlagzeuge) herauskristallisierte. Daraus ergab sich für mich eine äußerst konzentrierte und verknappte Darstellungsweise, als eine Formel, die bereits alles Wesentliche in sich trägt. Instrumentation als quasi formgebendes Element. Die Trompete war seit jeher mit dem Herrscherlichen, Sakralen, auch Kriegerischen verbunden. Das Schlagzeug kann an diesen Welten teilnehmen, stellt aber vor allem Leben als Bewegung dar. Die Zahlen 2 und 3 sind sinnbildende, weltbildende Urzahlen. 2, die erste weibliche Zahl, repräsentiert die grundsätzliche Dualität unserer Welt, voll Zwist und Zweifel, als Drama der unüberbrückbaren Gegensätze. Mit der männlichen 3 wird die Überwindung des Dramas, die Hochzeit der Gegensätze, deren übergeordnete Harmonie, möglich. Die 5 als die 3+2 drückt zahlenmäßig diesen Zustand aus. Das verwendete Tonmaterial ist – wie bei fast allen meinen Werken – nicht erfunden, sondern gefunden in der speziellen Gegebenheit der Namen und Texte.