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Zumurrud

Musik. Francois-Pierre Descamps
Text. Kristine Tornquist

Zumurrud. Solmaaz Adeli
Ali Shir. Richard Klein
Raschid ed-Din. Johann Leutgeb
Ein Verkäufer / Der Wesir. Dimitrij Solowjow
Kaufleute / Sklavinnen / Volk. Benedikt & Gaban Büllingen. Dan Chamandy. Cathrin Chytil. Armin Gramer. Richard Helm. Jens Waldig

Revolution für das Glück
Die letzten Jahrzehnte malte sich der Westen seinen Orient düster und gefährlich. In den Dschihadisten wurden alle Klischees versammelt – von Rückständigkeit, Frauenfeindlichkeit und Kulturdespotismus. Die Erzählungen von Tausend und einer Nacht erzählen aus dieser Region einer fernen Zeit ganz und gar anderes – Geschichten aus einer offenen Gesellschaft und grossen Kultur. Unser ursprüngliches Motiv war, den Terrorklischees dieses andere Bild entgegenzuhalten. Während wir dieses Projekt konzipierten und daran arbeiteten, wandelte sich das Orientbild aber wieder. Die Medien zeigten die Gesichter friedlicher und moderner junger Leute am Tahrir-Platz in Kairo, brachten Interviews mit dem tunesischen Mittelstand, zeigten den Witz und die kühne Planung der Aufstände im Netz. Der Westen leidet seither mit Lybien, von dem Europäern zuvor nur Gaddafis exzentrische Uniformen ein Begriff waren, freut sich für Tunesien und bewundert die Ägypter. Vielleicht kann sich in dieser Bewegung der entfremdete und von Vorurteilen geprägte Blick auf den Orient auch erstmals differenzieren.Zumurrud ist die Figur der Revolution. Revolution gleich zu Beginn. Zumurrud, das Objekt der Versteigerung, verweigert sich und verhöhnt die reichen Kaufleute, die sie kaufen wollen. Zumurrud, ein Subjekt, entscheidet und bestimmt ihren Wert selbst. Zumurrud, die Verkaufte, lässt sich nicht kaufen und verkaufen, sie bezahlt selbst den Kaufpreis. Der junge hübsche Ali Shir, der sich Zumurrud nicht leisten kann, weil er kein Geld hat, bekommt von ihr Geld, damit er sie sich leisten kann. Revolution ist die Umkehrung der Verhältnisse. Der, den sie als Käufer auswählt, hat Glück. Sie ist bereit, die allerbeste Sklavin zu sein für den allerbesten Herrn. Das sind politische Verhältnisse, von denen die Demokratie träumt. Der Bürger, der sich nicht verkaufen und kaufen lässt, der sich seinen Herrn wählt und mit ihm friedlich kooperiert. Doch auch als Zumurrud und Ali Shir gewaltsam getrennt werden, verlässt sie das Glück nicht - oder vielmehr bleibt ihr das Selbstbewusstsein und der Mut, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Sie wird selbst Herr eines ganzen Reiches. Doch geht es ihr nicht um Macht und Reichtum, sie will nur ihren Geliebten und ihr ganz normales, bescheidenes  Leben zurück. Als sie Ali Shir, der seinerseits nach ihr auf der Suche ist, wiederfindet, verlassen sie nachts heimlich den Palast, sie lassen Herrschaft und Macht hinter sich zurück und flüchten leise in die Freiheit. Genauso geht es den jungen Menschen, die sich gegen den Terror und die Vetternwirtschaften der Nahost-Diktaturen zur Wehr setzen. Ihnen geht es um nichts mehr und nichts weniger als um ein ganz normales glückliches selbstbestimmtes Leben. Um das eigentliche Glück des Friedens ohne Angst, Terror und kulturelle, religiöse und politische Versklavung. Wünschen wir Zumurrud und Ali Shir viel Glück!

Zumurrud - Inhalt
Zumurrud, die Smaragdene, ist keine gewöhnliche Sklavin. Sie sucht sich unter den interessierten Käufern ihren Herrn aus und bezahlt sogar den Kaufpreis selbst. Der junge arme Ali und sie sind glücklich, bis ein verschmähter Käufer, der Christ Raschid ed-Din, sie entführt. Sie kann jedoch entfliehen und kommt auf der Flucht durch die Wüste als Mann verkleidet zu einem Reich, in dem nach dem Tod des alten Königs gerade der neue König erwartet wird, der aus der Wüste kommen soll. Sie wird zum König gekrönt. Um Ali wiederzufinden, gibt sie ein grosses Fest, zu dem alle Männer des Reiches geladen sind. Zuerst entdeckt sie ihren Entführer Raschid ed-Din und lässt ihn töten. Dann aber entdeckt sie Ali Shir. Sie erhebt ihn zum Wesir, läd ihn in ihr Schloss ein, noch ohne sich ihm zu enthüllen. Nachts verlangt sie, dass Ali zu ihr ins Bett kommen soll. Er ist entsetzt, bis er unter der Seidendecke fühlt, wen er da vor sich hat. Im Original ist die Geschichte von Zumurrud, eine der schönsten aus 1001 Nacht, ungleich komplexer als unsere Opernfassung.

François-Pierre Descamps über Zumurrud
Zumurrud ist schön, sie ist intelligent und sie weiß, was sie will. Sie ist aber keine neue Carmen. Denn Carmen war rot (Karminrot: meine Fantasie). Zumurrud, die Smaragdene, ist grün, glänzend grün. Carmen war arm, Zumurrud ist reich. Warum? Wahrscheinlich hat sie von einem früheren Ehemann geerbt. Sie ist klug und unternehmungslustig. Sie weiß, sich aus unerwünschten Situationen hinauszuziehen. Sie ist ein Paradoxon: sie ist eine Sklavin, doch will sie wie eine freie Frau handeln. Aber frei sein heißt auch: Feinde haben! Dennoch will sie nicht wie Carmen provozieren: sie will lieben, wen sie möchte, geliebt werden und glücklich leben können! Genauso möchte ich eine Musik schaffen, die von der romantischen Idee der Provokation sich befreit hätte, die nicht mehr Carmen (als Opernfigur, nicht die Musik von Bizet), sondern Zumurrud als künst-lerisches Ideal hat: eine Musik, die reich an älteren Traditionen ist, von denen wir uns jedoch getrennt haben, oder die gestorben sind, aber die weiter in uns leben. Und keine Musik, die jeden Morgen neu gebären sollte. Wir alle harren auf eine freiere Welt. Es muss aber jeder lernen, sich allein ein bisschen zu befreien, oder?  Es war wieder eine Freude, ein zweites Libretto von Kristine Tornquist zu vertonen. Hoffentlich ist meine Musik in Einklang mit ihrem Text: oder eher bildet sie einen guten  Kontrapunkt zu ihrem Libretto.