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Wiener Zeitung, 8.September 2006, Rainer Elstner

Jugendstiltheater: Sirene Operntheater zeigt Uraufführung von "Circus"

Was ist das Leben? Eine Bühne. Was treibt uns an? Das Tier in uns. Das bleibt von einem Opernabend, der viel verspricht, aber wenig hält. Liest man die Konzepte des Sirene Operntheaters für die Uraufführung von "Circus", klingt alles sehr spannend. Der Umsetzung freilich fehlt es an theatraler Durchschlagskraft.
Jury Everhartz (Musik) und Kristine Tornquist (Text und Regie) bringen vier Protagonisten auf die Bühne, die von einem "Circusdirektor" in die Manege getrieben werden. Die Bärtige Dame Olga ist auch ein Affe, Clown Bruno ein Elefant, Dompteur Rodolfo ein Bär und Hochseilartistin Lucie eine Tigerin. Die Doppelexistenz ist Programm, jedes der Tiere hat eine große Solo-Arie. So darf der Bär Rodolfo singen: "Die Bienen machen mir den Honig, die kleinen Hasen machen mich satt, der Fluss bringt mir Wasser und Fische, genau vor mein Maul fall’n die Nüsse." Der Text pendelt zwischen Naivität und gekünstelter Expressivität. Dramaturgisch wenig geschickt müssen die Protagonisten die Beziehung zum jeweils Anderen selbst erklären. ("Sie meint mich", ruft der Bär, wenn von ihm gesprochen wird.)
Zwischen den großen Arien geht es ums allzu Menschliche, das vielleicht ein Tierisches ist, beziehungsweise aus Tier-Sicht einfach nur menschlich-dumm. Der Bär/Dompteur will mit der Zirkuskasse Reißaus nehmen – damit beginnt ein Spiel der Intrige, Lüge und Verführung bis hin zum versuchten Mord an der Hochseilartistin. Bis der Zirkusdirektor und seine Assistentin am Punkt größter Konfusion den Aggressionsausbruch der sich in Tiere verwandelnden Menschen abbricht und das Spiel auflöst.
Die Bühne von Kristine Tornquist und Jakob Scheid bringt das Thema auf den Punkt. Die Protagonisten laufen auf einer Drehscheibe, die die Manege darstellt, müssen hechelnd mit. Ist so das Leben? Wer weiß. Das Orchester in Zirkuskapellen-Besetzung spielt überhitzte Tonkaskaden, gespickt mit Floskeln bekannter Zirkusmusik-Nummern.
Rhythmisch und in der Orchestrierung ist Jury Everhartz verbissen um Originalität bemüht, im Gewusel gehen jedoch viele Details verloren, wirken die Musiker unter der Leitung von Anna Sushon überfordert. Auch den Sängern wird viel abverlangt, was dazu führt, dass vom Text praktisch nichts zu verstehen ist – außer beim souveränen Direktor Dieter Kschwendt-Michel.
Maida Karisik als bärtige Dame ließ mit ihrem schön geführten Mezzosopran aufhorchen, Annette Schönmüllers voller Mezzo klang in der Höhe etwas angestrengt. Viel versprechend hingegen der helle, klare Sopran von Nina Maria Plangg.

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