nachts9_landauer_foto-friess.jpg nachts9_lambauer-landauer_foto-friess.jpg nachts9_strahlegger-landauer-falkenstein_foto-friess.jpg nachts9_lambauer-landauer2_foto-lorenzoni.jpg nachts9_lstrahlegger_foto-friess.jpg nachts9_strahlegger-falkenstein_foto-friess.jpg nachts9_falkenstein_foto-friess.jpg nachts9_lambauer-landauer_foto-lorenzoni.jpg nachts9_landauer-strahlegger-falkenstein_foto-friess.jpg nachts9_strahlegger-falkenstein2_foto-friess.jpg nachts9_lambauer-landauer-helm_foto-friess.jpg nachts9_lambauer-landauer-helm2_foto-friess.jpg

Makrostaub von PRINZGAU/podgorschek

Man kann Sammlungen nach ihren Inhalten beschreiben. Genauso erhellend mag es sein, mehr über die Biographien der Sammelungsobjekte zu erfahren: wer hat sie gemacht? Verkauft? Schon einmal gehabt? Der Wert oder auch die Seltenheit von Dingen läßt sie zu Sammelgegenständen werden. Daß bedeutet jedoch nicht, daß Sammlungen unbedingt als Wertanlagen angehäuft werden. Die Gründe, eine Sammlung anzulegen sind weniger profan, nicht leicht zu durchdringen und jedenfalls höchstpersönlich. Und so können Sammlerinnen und Sammler auch mit der Frage wenig anfangen, wann sie denn zu sammeln begonnen hätten. Man sammelt oder man sammelt eben nicht.

Eine Sammlung ist Ausdruck einer intensiven Beziehung zu den Dingen und läßt auch Nicht-Sammelnde erkennen, daß jedes Verhältnis zu den Gegenständen über deren Gebrauch und Notwendigkeit hinausgeht.
Die Sammlungen von PRINZGAU/podgorschek setzen akribische Untersuchungen von Gebrauchsformen, Wertzuschreibungen, Material und Herstellung voraus. Jedes einzelne Objekt bedeutet zugleich eine Erweiterung der Sammlung wie eine Schärfung der künstlerischen Wahrnehmung. Durch ihre Bearbeitung des Alltäglichen, ihre Aufmerksamkeit gegenüber dem großen Staub in der Welt, greifen PRINZGAU/podgorschek in die materielle Konstruktion von Wirklichkeiten ein. In ihrem künstlerischen Zugriff definieren sie die Objekte neu – in jeder Konsequenz. Sie legen Werte neu fest, führen in die Warenwelt zurück was bereits aus ihr entfernt und weggeworfen wurde, und zeigen auf, daß jede vielgepriesene Funktion, jeder versprochene Nutzen so oder auch ganz anders zu verstehen ist.

PRINZGAU/podgorschek rücken mit ihrer Sammlung die Wirklichkeit ein wenig zurecht und erinnern in jeder Geste ihrer hohen Aufmerksamkeit daran, daß wir die Dinge doch zumeist nur so nutzen wie es uns in einer Konsumwelt vorgegeben wird. So ist jedes Weltverhältnis nur ein sehr reduzierter, kulturell verengter Common sense. Etwas „haben wollen“ (W. Ullrich) wird meist damit verwechselt, etwas zu brauchen.

Die Künstler lassen es nicht zu, daß Objekte die Welt einfach verlassen, als Müll oder als Schmutz deklassiert. Zerrissene Kleider, Haarwutzel oder die Zündhölzer aus einer Schachtel, die nicht der Zündholznorm entsprechen und den strengen Warentests entkommen sind, werden erkannt und gesammelt.

Doch Sammeln heißt für PRINZGAU/podgorschek nicht bloß aufheben, schlichten, ordnen und mögen. Sammeln ist hier ein künstlerischer Prozeß, der in all seiner Ironie, seinem Witz doch auch vorführt, wie wenig wir von den Dingen verstehen, die wir haben wollen, benutzen und irgendwann meinen, nicht mehr brauchen zu müssen. Der Makrostaub aus dem Atelier von PRINZGAU/podgorschek dokumentiert auch, daß selbst unlebendige Gegenstände all die Begehrlichkeiten, Ängste und Unheimlichkeiten wiedergeben können, die ihnen jemals entgegengebacht wurden. In diesem Sinne dokumentiert die Sammlung von PRINZGAU/podgorschek eine so notwendige aufklärerische Skepsis in unserem leichten Glauben an Form und Funktion.