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Tiroler Tageszeitung, 5.3.2007, Ursula Strohal

Der Mann im Mond irdisch attackiert


Mann/Frau im Mond, Astronaut, Briefträger, Köchin und Galileo Galilei stellen die Personage, um die sich neue Kürzestopern, "Operellen", ranken sollen. Autoren wurden mit Komponisten zusammengespannt, diesmal unter dem Motto "Abkürzungen und Beschleunigungen".
Vielleicht der Prophetie zu viel, Personenkonstellation, Motto und Partner zu verkuppeln. Nach den sieben Uraufführungen hatte man eher den Eindruck von Umweg und Verzögerung.
Daniel Glattauer und die begabte Urbanner-Schülerin Johanna Doderer hatten ("Falsch verbunden") vielversprechend mit einer Chatroom-Szene begonnen, die in ihrer Sprachlosigkeit rasch zur Sache kommt. "Play it like Rosie" von Johannes Schrettle und Hannes Raffaseder wirkte dagegen banal und gestrig, auch die symphonisch aufgeblasene Miniatur "Mirabellenkompott oder Mostbirnenmus" von Barbara Frischmuth und Ulrich Küchl ist altmodisch.
In "Monduntergang" von Kristine Tornquist lernt man den Renaissance-Spezialisten René Clemencic von einer spannenden, neuen Seite kennen, Günter Rupp und Jury Everhartz verbreiten ziemlich unauffällig eine "Fröhliche Wissenschaft".
Händl Klaus´ subtile Sprachpoesie ("vom mond") schlüpft ganz und gar in die eng gewobenen stillen Klangflächen von Klaus Lang. Antonio Fian und Herwig Reiter vertreten in "Tod auf dem Mond" dagegen die Ansicht, daß auch ein Minioperchen das theatralisch volle Rohr braucht.
Das Tiroler Ensemble für Neue Musik bewältigte die Klangflächen, Melodiefetzen und rhythmischen Ausbrüche, die sich (bis auf Klaus Lang) erstaunlich oft als austauschbar erwiesen, unter Leif Klinkhardts Leitung mit viel Gespür und Einsatz. Vorzüglich singend Jennifer Chamandy, Lysianne Tremblay, Alexander Mayr und Andreas Mattersberger, bewunderswert die Schauspielerin Eleonore Bürcher.
Kristine Tornquist inszenierte in Julia Libisellers Küchenausstattung einmal sensibel (Figurenhäutung), sonst abwechselnd witzig, nett und fad.

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