Deutschlandfunk, 05. November 2011 - Frieder Reininghaus

Musiktheater-Uraufführungen (...) am Theater an der Wien

(...) Drei Kurzopern an einem Abend kredenzt von heute an das Theater an der Wien in der Kammeroper am Fleischmarkt - wegen eines Wasserschadens kann die "Hölle" am Naschmarkt nicht bespielt werden. Die Regisseurin Kristine Tornquist hat sie um den Solo-Darsteller Rupert Bergmann gruppiert, der nach stattlichen Erfolgen eine Halbzeitbilanz des Künstlerlebens ziehen wollte, und eine imaginäre Reise die Donau aufwärts von Transsilvanien nach Wien gerankt. Karmella Tsepkolenko komponierte einen Sketch mit einem ukrainischen Boris Godunow, den vor seinem Auftritt Selbstzweifeln befallen. Samu Gryllus aus Budapest steuerte mit an Bartók angelehnter Musik keine Blaubart-Variationen bei, sondern so etwas eine sprachkritische Studie. Jakob Scheid baute für sie einen großen Kunstkopf, aus dessen Augen-, Nasen- und Mundhöhle der Bassbariton vernehmen lässt, dass "die Ufer der Sprache glitschig" sind. Johanna Doderer, die keine Berührungsängste mit der Tonalität zeigt, präsentierte schließlich als dritte Solo-Szene mit Bergmann dessen Erörterung, warum er noch nie Papageno sein dürfte. Das war nett und heiter und bestens geeignet für den Familientag des Theaters an der Wien, bei dem auch die ganz kleinen zur kleinen Form eingeladen sind. (...)

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