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Presse

Opernwelt, Mai 2002, Harald Steiner

Mörder, Kommissar, Kasperl

Zwei Jahre hat das Wiener Jugendstiltheater, am Stadtrand inmitten des begrünten Geländes des psychiatrischen Krankenhauses Steinhof gelegen, Pause gemacht, doch jetzt hat es sich mit einem kräftigen Lebenszeichen als Spielort der freien Wiener Operszene zurückgemeldet: "Der Kommissar, eine Kriminaloper", knapp zwei rundum gelungene Stunden. Komponiert hat es der Berliner Jury Everhartz, 31, in einem vitalen Stilmix und entlang eines "Tristan"-Motivs. Das Libretto stammt von der Grazerin Kristine Tornquist, die auch Regie führt. 12 Bäume (Bühne: Jakob Scheid), die im Bühnenhintergrund das Orchester verdecken (ein Streichquartett und zwen Bläser, davon 5 Fagotte, dirigiert von Erke Duit), sind der Wald, in dem zu Beginn der Oper eine junge Mutter (Nina Plangg) ihr ermordetes Kind entdeckt. Zwei Polizeibeamte (in pointierten Sprechrollen: Roman Steger und Martin Witzmann) verhören die Verdächtigen: Der Waldbesitzer (Günther Strahlegger), den zur See fahrenden Kindesvater (Bernd Fröhlich) und ein Zuckerlverkäuferpaar (in Personalunion Florian Kugler). Der Kommissar (Alfred Werner), der seinen Auftritt aus dem Publikum heraus hat und mit seinem fahrbaren Schreibtisch mehrmals mit den Beamten seinen Platz tauscht, scheint anfangs stumm zu sein, an zwei entscheidenden Stellen erhebt er aber dann doch seine Baßstimme. "Der Kommissar" überzeugt als Mischung aus expressionistisch-philosophischer Botschaft, verbalem und szenischem Witz, u.a. dank einer unermüdlich im Hintergrund werkenden Putzfrau. Ein Paralellgeschehen entwickelt sich auf einer Kasperlbühne, die in einem mobilen Aktenschrank untergebracht ist und auf der alle handelnden Personen nochmals als Handpuppen auftreten, inklusive des toten Kindes als Rotkäppchen. Die beiden Grazer Puppenspieler, Julia Reichert und Christoph Widauer, unter dem Namen "Kabinetttheater" seit über 12 Jahren an Bühnen und bei Festivals im gesamten deutschen Sprachraum ein Begriff, stehlen mit ihren kreativen Einfällen den menschlichen Aktreuren und Sängern fast die Show. Mit dieser Uraufführung stellte sich auch eine neue freie Opernkompagnie dem Publikum vor: das "sirene-Operntheater". Da steht zu hoffen, daß "der Kommissar" noch etliche weitere derartige sehens- und hörenswerte Fälle zu lösen bekommt!