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Vorarlberger Nachrichten, 29.5. 2006

Was bleibt ist die Ratlosigkeit

Ein kurzes Gastspiel, das tief beeindruckte: die Oper „Anne Frank“ in Hohenems.
Eine Tür schlägt zu, Anne Franks (Nina Maria Plangg) Stimme ist im Verschwinden noch spürbar und zurück bleibt ein betroffenes Publikum.
Grigori Frid, 1915 in St. Petersburg geboren, stiess 1960 auf das „Tagebuch der Anne Frank“ und kam davon nicht mehr los, bis er 1999 zur endgültigen Form seiner gleichnamigen Oper fand. Was ist zu sagen? Der Opernabend im Hohenemser Salomon-Sulzer-Saal war ein Abend, bei dem sich das Gefühl der Beklemmung der gesamten Wahrnehmung bemächtigte. Michael Köhlmeier rezitierte berührend Texte aus dem tagebuch des jüdischen Mädchens, die Altacher Sopranistin Nina Maria Plangg sang nicht nur den Part der Anne, sie war Anne Frank.
Rebellion, Hoffnung, Verzweiflung, das gesamte Seelenleben Anne Franks transportierte sich musikalisch in den Raum der ehemaligen Synagoge. Einzig das Ensemble Sonare unter der Leitung von Thomas Kerbl war mancherorts in Gefahr, ihr stimmliches Pendant zu übertönen.
„Vielleicht ist das alles nach dem Krieg nicht mehr glaubhaft“, singt Nina Maria Plangg als Anne. Vielleicht wird alles zu leichtfertig vergessen. Was aber, neben den künstlerischen Leistungen des Hohenemser Opernabend, haften blieb, war ein eiskalter Schauer im Nacken, der sich nicht so schnell abschütteln liess.

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