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Chodorkowski - ein Königsdrama

Die Diktatoren und die Feiglinge unter den Autoren begnügen sich stets mit historischen Dramen. Rolf Hochhuth

Das Libretto von Kristine Tornquist versucht nicht nur das hochdramatische Königsdrama zwischen Chodorkowski und der von Putin verfolgten Politik, sondern auch die historischen Hintergründe von 1989 bis 2013 zu beleuchten. Denn mit der sich wandelnden Beziehung zwischen Wirtschaft und Staat verschob sich im Lauf der Zeit  auch die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten, die zu Beginn einander nicht so unähnlich waren - zwei junge ehrgeizige Männer mit grossen Plänen.
Die Zusammenhänge der geschichtlichen Auf- und Umbrüche verflechten sich mit finanzpolitischen Fehlern und machtpolitischen Intrigen zu einem Treibhaus der Extreme, in dem Aufsteiger gut gedeihen. Doch sobald die beiden Kontrahenten ganz oben angekommen sind und dadurch aufeinanderstossen, zeigen sich die charakterlichen Unterschiede. Während der eine sein Revier sichert, denkt der andere weiter voraus und riskiert alles.
Das Libretto wurde 2013 geschrieben, also noch bevor Chodorkowski Dezember 2013 anlässlich der PR-Offensive in Sotschi aus seiner 17jährigen Haft nach 10 Jahren überraschend freigelassen wurde. Die Freilassung ist darin somit nicht behandelt - als offenes Ende des Librettos steht die Hoffnung und das Versprechen, das Chodorkowski im Gefängnis gegeben hat.
Spielball der grossen Kräften sind - wie immer - die kleinen Leute. Was hier erst als Buffopaar für lakonischen Witz sorgt, stürzt zuletzt in die Tragödie - denn im Gegensatz zu den Grossen, die fallen und steigen und dabei doch nie ihre Bedeutung verlieren, leiden die sogenannten kleinen Leute unbemerkt, unbetrauert, umsonst.
Kristine Tornquist


Was für eine Wahl haben wir?  Zwischen Wurst und Leben. Wir wählen das Leben! Wladimir Putin

Es wird immer eine interessante Frage bleiben: was bleibt übrig von den ersten Ideen eines Stückes, wenn man das Stück fertig komponiert hat? Oft braucht man sich nur die Partitur anzuschauen und man findet leicht die Antwort: sehr wenig. Es ist oft ein anderes Stück geworden als das, was man am Anfang zu komponieren glaubte.
Als ich am Anfang den Auftrag bekommen habe, eine politische Oper mit lebenden Personen zu komponieren, schien mir besser, etwas vorsichtig mit der Sache umzugehen.  Ich habe mich eher an klanglichen Perspektiven orientiert: eine Rockband sollte auch teilnehmen als Zeichen der Perestroika, Elektronik, dicke Blechbläserpartien als Zeichen der Roten Armee, oder des KGB, hatte ich mir vorgestellt unter Anderem. Klangsignale, mehr oder weniger, die eher abstrakt wirken. Eine alte Idee, die aber eine gewisse Atmosphäre trotz  ihres Klischees wiedergeben könnte.
Während ich aber mit der Arbeit weitergekommen bin, und als ich das Libretto von Kristine Tornquist Linie für Linie vertonte, bin ich auf Sachen gestoßen, die mir gar nicht bewusst waren. Eine von denen war die enge Beziehung – vor allem was die finanzielle Situation betrifft – zwischen der damaligen Lage der Menschen in der frisch untergegangenen Sowjetunion und der heutigen Lage der Menschen in manchen europäischen Ländern, von deren einer ich immer noch Staatsbürger bin. Plötzlich war ich dabei, eine Oper zu komponieren, die mir viel mehr bedeutete, weil sie über Situationen sprach, die mich, oder besser gesagt, Menschen die ich sehr gut kenne und die Teil meines Lebens sind, täglich beschäftigen und in den Abgrund stürzen. In dem Moment war mir klar, dass eine Rockband, Elektronik, oder die dicken Blechbläserpartien  und manches anderes noch, viel zu ungenau, ja viel zu oberflächlich wirken würden. Um es genauer zu sagen: viel zu abstrakt und brav („jeder soll davon verstehen was er will“).
Jeder wird sowieso das verstehen, was er verstehen kann und will. Das ist auch gut so.
Ich aber habe auf alle Fälle mit meinem musikalischen Messer versucht, den Schnitt in das eigene Fleisch zu machen. Um es auf einen Punkt zu bringen: konkreter bin ich geworden und eine Stellung habe ich dann eingenommen. Die wird mit musikalischen Mitteln ausgedrückt und sollte für jeden gebildeten Zuhörer oder Zuhörerin spürbar sein.
The rest is silence.
Periklis Liakakis