Mayr, Alexander Mayr, Manuel Mayröcker, Friederike McDolan, Molly McQuade, Benjamin Meissl, Johannes Meister, Nadja Mekontchou, Jules Lazare Menke, Caroline Mertin, Barbara Michailova, Ekaterina Miesenberger, Markus Mijatovic, Maja Mikes, Magdalene Milenkov, Apostol Moises, David Montjoye, Irène Moosmann, Stephan Mosich, Cai Mößmer, Marc Mukasheva, Bota Müller, Leila Musil, Bartolo Nagele, Peter Narnhofer, Gregor Natmeßnig, Anita Neubauer, Mathilde W. Neugebauer, Herwig Neumann, Esther Neuwirth, Michael

Friederike Mayröcker

Mayröcker, Friederike

Librettistin.

“Gut wie Mayröcker” war ein Ausdruck höchsten Lobs unter den AvantgardistInnen im Nachkriegs-Wien. Bereits 1945 veröffentlichte Mayröcker erste Gedichte in der Zeitschrift Der Plan. Als sie 1954 den noch unbekannten Ernst Jandl traf, war ihr Ruf als Autorin bereits gefestigt. Jandl blieb lebenslang von der Überlegenheit ihres Schaffens überzeugt. Er wußte, daß sie wegen der Beziehung zu ihm zu leiden hatte. Gelegentlich hörte er, sie “müßte längst den Büchner-Preis haben, aber den hat ja schon der Jandl.” Auch in den jahrelangen Boykott Jandls in Österreich wurde Mayröcker einbezogen. Sie verdiente in jenen schwierigen Jahren ihren Lebensunterhalt als Englischlehrerin in einer Hauptschule. Der “ungeliebte Beruf” bedeutete eine fast unerträgliche Fron, aus der ihre Frühpensionierung sie 1969 befreite.
1968 erhielten Mayröcker/Jandl den begehrten Hörspielpreis der Kriegsblinden. Damals verfaßten sie noch gemeinsame Texte und Hörspiele. Später sind sie literarisch wieder eigene Wege gegangen. Immer aber blieb die behutsame gegenseitige Kritik, der subtile Umgang mit den Gefühlen und Eigenheiten der/des anderen. Sie wohnten auch bald wieder getrennt. Ein Zusammenleben gab es nur im Urlaub und auf Reisen: Amerika, Frankreich, Italien, zwei Jahre Berlin.
Mayröcker braucht ihre chaotische Wohnung in Wien, um schreiben zu können (sie wohnt dort seit 1951). Die absichtsvolle Verlotterung ihrer Wohnung hat sie oft beschrieben: “... ich habe zu Hause alles übereinander gestülpt, ich finde nichts mehr, meine Kleider irgendwo zusammengeknüllt und -gerollt auf einem Stoß Bücher vermutlich.” So lebt sie wie sie schreibt: mit wachsendem Mut, sich von der normativen Syntax zu entfernen, mit ihr zu spielen und neue kreative Zuordnungen herzustellen.
Ihre Texte entziehen sich dem rationalen Zugriff, sind ein poetisches, oft melancholisches Gespinst, sind Träume, die uns bezaubern - und befreien. Doch sie kennt Zweifel an ihrer lebenslangen Schreibbesessenheit: “... ich habe alles verloren, vertan, versäumt, ich habe die falsche Richtung eingeschlagen, vielleicht ist Sprachästhetik, um die es mir seit den Anfängen gegangen ist, die falsche Zielsetzung gewesen, in dieser von Ungeheuerlichkeiten erschütterten Zeit.”
Mehr als achtzig Titel hat sie veröffentlicht – Lyrik, Kurzprosa, Hörspiele, Kinderbücher, Romane. Zwanzig Auszeichnungen und Preise würdigen ihr Lebenswerk.
Als Friederike Mayröcker ihren Hand- und Herzgefährten Ernst Jandl im Juni 2000 verlor, widmete sie ihm ein Requiem, das mit einer “Paraphrase auf 1 Gedicht von Ernst Jandl” beginnt:

in der küche ist es kalt
ist jetzt strenger winter halt
mütterchen steht nicht am herd
und mich fröstelt wie ein pferd

Friederike Mayröcker