Schön, Thomas Schönmüller, Annette Schorsch, Gerda Schreiberhuber, Hapé Schrettle, Johannes Schubert, Georg Schuch, Barbara Schueler, Roland Schwahn, Mima Schwahn-Reichmann, Raja Schweitl, Katharina Schwendinger, Johannes Schwendinger, Michael Schwertsik, Kurt Schwetz, Matthias Schwin, Svetlana Seebacher, Walter Seefeld, Ingo Seisenbacher, Maria Shevchenko, Alexander Simon, Alexander Singhania, Nikolaus Skrepek, Paul Skweres, Tomasz Sladonja, Nada Slepicka, Renate Sofka, Hansjörg Solowjow, Dimitrij Soulès, Sébastien Spaemann, Susanna

Gerda Schorsch

Schorsch, Gerda

Zum Tod von Gerda Schorsch (Versuch einer künstlerischen Würdigung)

Wir leben in einer Zeit, in der die kulturelle Welt auf die Bedeutung von „Tanztheater“ – besonders nach Pina Bausch – in verstärktem Ausmaß aufmerksam geworden ist. Das hat dazu geführt, dass sich aus einer revolutionären Situation ein „mainstream“ von Kompanien und Organisationen gebildet hat, der alles, was nicht hineinpasst, sich nicht hineindrängt, ins kulturpolitische „out“ verbannt. Die einen stehen eben im Schatten, die andern stehen im Licht. Oft aber kommt gerade das Licht von denen, die im Schatten stehen. So eine Lichtgestalt in der heutigen Tanztheaterlandschaft war Gerda Schorsch, die am 18. April 2012 nach schwerer Krankheit gestorben ist. Was ihre Kunst der Darstellung durch Bewegung auszeichnet, ist ihre spirituelle Komponente. Ihr Bewegungsrepertoire ist niemals leere Geste, auch nicht intellektuell übersetzbares Argument, sondern immer Mitteilung ihrer eigenen inneren Zustände. Am Anfang war nicht das Wort. Gerda setzte Zeichen, die manchmal in Worte, in eine Art Selbstgespräch münden können. Selbst wenn sie nur da zu sitzen scheint, um dem Wachsen einer Karotte im Regen zuzusehen, tanzt sie. Die geringste Bewegung ihres Körpers wird zur Offenbarung eines bedeutungsvollen Geschehens. Sie nimmt uns mit in die Welt einer Wäscherin, wenn sie, statt Tango-Vals-Milonga zu tanzen, nasse Leintücher im Selbstgespräch über eine Leine hängt. Da verschwindet der Konzertsaal, das Theater. Das Publikum wird Zeuge archetypischer Vorgänge außerhalb der sicher scheinenden Theatermauern. Immer wieder verlässt sie diese Räume auch (in den letzten Jahren in Kompanie mit Matthias Mollner), seilt sich von Brücken ab, bespielt den "öffentlichen Raum", bewegt sich im Schweinestall, bringt den Stall in die Stadt, belebt Schaufenster von Restaurants, gestaltet – zusammen mit Ulrich Kaufmann & Sigrid Friedmann – Videofilme, immer auf der Suche danach, gültige Zeichen zu setzen, verständliche Zeichen zu hinterlassen. Sie hat uns ein tolles, ein reiches Erbe hinterlassen. Ihre Gegenwart, ihre Präsenz, ihren Mut und ihren Glauben an die Zukunft werden wir schmerzlich vermissen.

Dieter Kaufmann