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Gilgamesch ist ungeheuer

Wiederentdeckung

 

Es sind kaum hundert Jahre her, dass der mesopotamische Gilgamesch entdeckt und in seiner Bedeutung erkannt wurde. Dieses Epos beginnt mit der Verwandlung des unter den Tieren der Wildnis lebenden Naturmenschen Enkidu in einen Stadt-und Kulturmenschen, ein Thema, das uns heute (…) erst recht angeht. Es mündet, da Enkidu seinem Freunde Gilgamesch wegstirbt, in eine ungeheure Konfrontation mit dem Tod. (…) Kein Werk der Literatur, buchstäblich keines hat mein Leben so entscheidend bestimmt wie dieses Epos, das viertausend Jahre alt ist und bis vor hundert Jahren niemand bekannt war. Elias Canetti

Die Geschichte des Königs von Uruk, Gilgamesch, und seines Freundes Enkidu ist einer der ältesten literarischen Texte der Menschheit. Sie wurde im 13. Jahrhundert v. Chr. in Mesopotamien aufgezeichnet und überliefert Erzählungen, die zurück bis in das frühe dritte vorchristliche Jahrtausend nachzuweisen sind. Canettis Eindrücke beruhten, als er 1976 diese enthusiastischen Worte schrieb, auf der Fassung des Epos, die Ende des neunzehnten Jahrhunderts in England bekannt wurde. Nach der Ausgrabung des Palastes des Assurbanipal in Ninive begann die wissenschaftliche Aufarbeitung der Keilschrifttafeln und von Bruchstücken der insgesamt zwölf zusammenhängenden Tontafeln, auf denen das Epos des mesopotamischen Dichters Sin-leque-unninni überliefert worden war, die man im Schutt der Bibliothek des Assyrerkönigs gefunden hatte.
Als das Gilgamesch-Epos 1872 in der Übersetzung von George Smith, einem Mitarbeiter des British Museums, veröffentlicht wurde, war nur ein kleiner Teil der heute bekannten akkadischen und sumerischen Keilschrifttexte entschlüsselt, in denen die mythische Geschichte des altbabylonische König Gilgamesch erzählt wurde. Besonderes Aufsehen erweckten die Textpassagen, die auf der elften Tontafel aus der Erzählung entziffert wurden. Sie erzählen die Geschichte der großen Sintflut, die der weise Utanapischti mit seiner Familie und vielen Tieren auf einer Arche überlebte. Die Erzählung gleicht bis in das Detail der biblischen Geschichte des Noah. Die Entdeckung war so überwältigend, dass, wie Augenzeugen berichten, der erhitzte Forscher Smith vor Aufregung begann, sich in der Bibliothek seiner Kleider zu entledigen. Die Diskussion seiner Forschungsergebnisse interessierte eine breite Öffentlichkeit, weit über das Fachpublikum hinaus. Als Smith einen öffentlichen Vortrag über seine Entdeckung hielt erschien unter anderem der britische Premierminister William Gladstone und in Deutschland nahm Kaiser Wilhelm großen Anteil an dem Fortschritt der mesopotamischen Ausgrabungen. Die Veröffentlichung der mesopotamischen Epen stellte die unverbrüchliche Autorität der biblischen Überlieferung der Anfänge der Menschheit grundsätzlich infrage und vertiefte damit die intellektuelle Erschütterung, die von den einige Jahre zuvor veröffentlichten Arbeiten Darwins ausgegangen war. (Eckart Frahm)
Noch bis vor wenigen Jahren glich das überlieferte Textkorpus „einem Buch, aus welchem insgesamt ca. ein Drittel der Seiten herausgerissen ist; wo in einem weiteren Drittel teils nochmals ein Drittel vom Rand abgeschnitten ist; wo Buchwürmer oder Zigaretten Löcher gefressen und Hauptwörter, Präpositionen,Verben ganz oder halb aufgefressen haben; wo Tintenflecken ganze Zeilen bis zur Unkenntlichkeit entstellt haben.“ (D. O. Edzard). Dies hat sich inzwischen deutlich geändert. Seit 2003 liegt eine umfangreiche textkritische Ausgabe des Epos durch Andrew R. George vor, die den neueren deutschsprachigen Ausgaben, wie jener der Assyriologen Stefan M. Maul und Wolfgang Röllig, zugrunde liegt. Der britische Forscher hat in akribischer Arbeit weit verstreute Textfragmente des Gilgamesch-Epos auf Bruchstücken von Keilschrifttafel in den Museen der Welt gesammelt und transkribiert. Diese haben die Textgestalt entscheidend erweitert und ermöglichen nun eine neue Sicht auf das Epos.

 

Isabelle Gustorff

 

 

Zur Geschichte des Gilgamesch-Epos

1844 stieß der englische Archäologe Henry Layard bei Grabungen in Mesopotamien (dem heutigen Irak) auf die Ruinen von Ninive und fand dabei nicht nur fabelhafte Schätze, sondern auch die Überreste einer alten Bibliothek. Dabei förderte er zehntausende Bruchstücke zerstörter Tontafeln zutage, die er an das Britische Museum sandte, wo sich George Smith um ihre Erforschung bemühte und dabei das Gilgamesch-Epos entdeckte. Erst 1872 fand Smith die Teilstücke der elften Tafel, auf der die Geschichte der Flut aufgeschrieben ist. Dieses Fragment stellt das am besten erhaltene Teilstück des Gilgamesch-Epos dar. Smith präsentierte seine Entdeckung im Rahmen eines Vortrages in der Gesellschaft für Bibelarchäologie,woraufhin der Daily Telegraph ihm Geldmittel für eine Expedition nach Ninive zur Verfügung stellte, um nach den fehlenden Bruchstücken dieses Teils zu suchen. Diese fielen ihm bereits am fünften Grabungstag in die Hände.

Smiths wissenschaftliche Abhandlungen über seinen Fund setzten akademische Dispute in Gang, die die Autorität der Bibel als Zeugnis göttlicher Offenbarung in Zweifel stellten: Es schien so, als wäre das Wort Gottes nichts weiter als die Abschrift eines mesopotamischen Textes.

Das Gilgamesch-Epos erzählt auf zwölf (in anderen Zählarten elf) Tontafeln in fragmentarisch erhaltenen Episoden die Geschichte des sagenhaften Königs Gilgamesch, der 6000-5000 v. Chr. über die Stadt Uruk geherrscht haben soll.

Die gefundenen Tontafeln stammen aus der Zeit des assyrischen Herrschers Assurbanipal (668-627 v. Chr.). Es scheint jedoch so, als wären Teile des Epos während des sumerischen Königreiches um 2000 v. Chr. verfasst worden, wobei mündliche Erzählungen zusammen getragen worden waren, deren Ursprünge noch viel weiter in der Vergangenheit liegen. Gilgamesch gilt als das älteste niedergeschriebene literarische Werk der Menschheit.

 

Obwohl das Werk Gilgamesch längst nicht so stark rezipiert wird wie etwa die Epen von Homer und selbst passionierten Lesern oftmals nicht mehr als der Titel bekannt ist, weckt der Inhalt der Episoden Erinnerungen an andere literarische Schöpfungen.

So gilt die elfte Tontafel als älteste Quelle für die gleiche Bibelgeschichte Noahs aus dem Buch Genesis, eine weitere Variante dieser Geschichte erzählt die Geschichte von Deukalion und seiner Frau, die einer von Zeus gesandten Sintflut entkommen.

Gilgamesch greift Themen auf, die sich durch viele bekannte Epen ziehen, allen voran den Helden, der sich zahlreichen Prüfungen der Götter stellen muss. Seiner göttlichen Abstammung zum Trotz muss Gilgamesch die unüberwindlichen Grenzen menschlicher Erfahrung anerkennen, versinnbildlicht durch sein Scheitern bei dem Versuch seinen verstorbenen Freund Enkidu aus dem Reich der Toten zurückzuholen und dabei selbst die Unsterblichkeit zu erringen.

Einige Wissenschaftler sehen in der Reise von Homers Helden Odysseus ans Ende der Welt und in die Unterwelt, Parallelen zu Gilgameschs Suche nach Unsterblichkeit.

Obwohl der Text durch seine lückenhafte Überlieferung und die verschiedenen gefundenen Versionen nur schwer zu erfassen ist, übt er seit Tausenden von Jahren eine Faszination auf seine Leser aus. So schrieb etwa Rainer Maria Rilke an seine Freundin Katharina Kippenberg »Gilgamesch ist ungeheuer: ich kenns aus der Ausgabe des Urtextes und rechne es zum Größten, das einem widerfahren kann.«

 

Anderson, Daniel et. a. (2010) Geschichte der Literatur. Von der Antike bis heute, Potsdam: h.f.ullmann

Ranke Hermann (2006) Das Gilgamesch Epos. Der älteste überlieferte Mythos der Geschichte, Wiesbaden: Marix Verlag

Schrott, Raoul (2001) Gilgamesh, München/ Wien: Carl Hanser Verlag

 

Katharina Hollerwöger