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inszenierung.at, 14.06.2009 - Udo Pacolt

sireneOperntheater mit Festival „Nachts“ / „Die Sarabande“ von Wolfram Wagner in Wien-Favoriten (Aufführung: 12. 6. 2009)

In der Expedithalle einer aufgelassenen Brotfabrik in Wien-Favoriten bringt das sireneOperntheater – es wurde 1998 gegründet und firmiert seit 2002 unter diesem Namen – seit dem 22. Mai das Festival „Nachts“ (es endet am 18. Juli), in dessen Rahmen 9 Episoden aus dem Roman „Nachts unter der steinernen Brücke“ von Leo Perutz, die von
9 zeitgenössischen Komponisten vertont wurden. An diesem Wochenende stand die Oper „Die Sarabande“ von Wolfram Wagner auf dem Programm.
Der Inhalt der einstündigen Oper: Rabbi Löw erzählt die Geschichte zweier Adeliger, die auf einem Ball aufeinander treffen, wo der elegante venezianische Graf Collalto dem ungelenken kroatischen Baron Juranic beim Tanz mit der jüngsten Berkatochter aus Eifersucht ein Bein stellt, um ihn vor der jungen Frau lächerlich zu machen. Es entbrennt ein Streit, bei dem der Graf den Baron zum Duell fordert. Doch Baron Juranic ist Collalto haushoch überlegen, schenkt ihm aber unter der Bedingung das Leben, dass dieser die ganze Nacht durchtanze. Seine kroatischen Musiker spielen auf, er selbst führt den Zug durch die Gassen des nächtlichen Prag. Bald kommt der Graf an die Grenzen seiner Kraft, denn nur wenn sie an einer Heiligenstatue vorbeikommen, legen die Musiker eine kurze Pause ein, um zu beten. Um das zu verhindern, führt Juranic den Zug in die Judenstadt, wo es keine christlichen Zeichen gibt. Als Graf Collalto am Ende seiner Kräfte ist, ruft er verzweifelt um Hilfe. Seine Schreie hört Rabbi Löw. Um ihm zu helfen, zaubert er auf die gegenüberliegende Wand ein Ecce Homo. Davor geht auch Baron Juranic in die Knie, klagt sich selbst an und bittet den Grafen um Verzeihung. Das Ecce Homo des Rabbi ist aber kein Christusbild, sondern ein Bild des verfolgten Judentums.
Zu dieser Episode aus dem Roman von Leo Perutz, die zwischen Komik und bitteren Ernst pendelt, hat der 1962 in Wien geborene Wolfram Wagner eine teils zarte, teils stark illustrative Musik komponiert, die vom achtköpfigen Orchester „ensemble on_line“ unter der Leitung des 1971 in Berlin geborenen Dirigenten Jury Everhartz eindrucksvoll dargebracht wurde. Auf berührende Art stellte der Bassbariton Dimitrij Solowjow den Rabbi dar, beeindruckend agierte der Bariton Andreas Jankowitsch, der den kroatischen Baron Juranic mit kräftiger Stimme sang und auch darstellerisch alle Facetten seines Könnens zeigte. Der kroatischen Sängerin lieh Nina Plangg ihren schillernden Sopran, der alle Höhen sicher meisterte. Bernd Fröhlich als Graf Collalto gefiel zwar schauspielerisch, hatte aber stimmlich leichte Probleme. Die Ballgesellschaft wurde von Barbara Braun, Max Hoffmann, Werner Langsgesell, Leila Müller, Georg Schubert und Barbara Willensdorfer gegeben, die alle zum Gelingen dieses Opernabends in der Fabrikshalle, die eine erstaunlich gute Akustik aufwies, beitrugen.
Für die einfallsreiche Inszenierung zeichnete Kristine Tornquist – sie erstellte auch das Libretto – verantwortlich, die gut unterstützt wurde von Markus Kuscher, der passende Kostüme entwarf, und von Edgar Aichinger, dessen Lichtregie durch gute Ideen beeindruckte, sowie von Jakob Scheid, der für die Bühnengestaltung (nicht gerade ein leichter Job in einer leeren Fabrikshalle!) zuständig war. Das Publikum in der offensichtlich ausverkauften Halle war begeistert und zollte allen Mitwirkenden reichlich Beifall.
Die Premieren der neun Kammeropern werden jeweils von einer Vernissage begleitet, die von Brigitte Federer kuratiert wird. An diesem Abend wurde die „Sammlung“ von zwei Wiener Filmexperimentatoren – Johann Lurf und Martin Reinhart – gezeigt, die seit Jahren sogenannte „China Girls“ sammeln, die sich am Beginn und am Ende eines Filmstreifens befinden, um die Justierung der Geräte und Maschinerien auf die richtigen Farbwerte zu erleichtern. „Durch die China Girls werden die Filmtechniker und Vorführer zu einem geheimen Publikum, das immer sein eigenes und exklusives Programm sieht“, erläuterte Brigitte Federer in ihrem Gespräch mit dem jungen Sammler Johann Lurf.

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