Rombach, Lisa Rota, Angelo Roth, Joseph Rupp, Günter Ruthner, Christian Sakowicz, Iwona Salzbrunn, Andreas Samitz, Nico Santek, Mato Sapic, Igor Sato, Yo Schaja, Stephan Schedlberger, Gernot Scheibelreiter, Agnes Scheid, Jakob Scheid, Mine Scheidl, Roman Scheschareg, Steven Schiffer, Andreas Schindegger, Sebastian Schindel, Robert Schirmer, Oliver Schiske, Claudia Schmidinger, Marcus Schmidt, Mirjam Schmuckerschlag, Dagmar Schön, Thomas Schönmüller, Annette Schorsch, Gerda Schreiberhuber, Hapé

Joseph Roth

Roth, Joseph

Schriftsteller und Romanautor.

Roth, Joseph (Pseudonym: Hamilkar, Christine von Kandl und andere), * 2. 9. 1894 Brody (Ukraine), † 27. 5. 1939 Paris (Frankreich), Romancier, Erzähler, Feuilletonist. Germanistik- und Philosophiestudium in Lemberg und Wien; Offizier im 1. Weltkrieg; ab 1918 Journalist in Wien, dann in Berlin, gefördert von A. Polgar, 1923-32 Korrespondent der "Frankfurter Zeitung". Ab 1933 im Exil in Paris, von wo er Reisen (unter anderem Wien, Amsterdam, Ostende) unternahm. Roth starb, gezeichnet durch Schicksalsschläge, enttäuscht über die politischen Zustände und an Alkoholismus erkrankt, in einem Pariser Armenhospital.

Das Frühwerk Roths setzt sich mit den traumatischen Erfahrungen der aus dem Krieg heimkehrenden Offiziere ("Flucht ohne Ende", 1927) auseinander; in seinen journalistischen Arbeiten vertrat er zunächst sozialdemokratische Standpunkte. Seine Erfolge in den 20er Jahren und sein später Ruhm (1956 durch H. Kesten "wieder entdeckt") gründen sich auf die mythisierende Darstellung der Habsburgermonarchie kurz vor ihrem Untergang. Der Roman "Radetzkymarsch" (1932) schildert in 3 Generationen Aufstieg und Fall der Familie Trotta. Im Nachfolgeroman "Die Kapuzinergruft" (1938), in die der letzte Trotta Einlass fordert, wird diese zum Symbol der untergegangenen Monarchie. Auch "Die Geschichte von der 1002. Nacht" (1939) variiert dieses Thema, das Roth zum ersten Mal in seinem Roman "Hotel Savoy" (1924) anschlägt, in dem ein Hotel als Metapher für eine verworrene Zeit und ihre sonderbaren Existenzen dient.

Der Vorabdruck des Romans "Hiob" beginnt im September 1930 in der "Frankfurter Zeitung" in Fortsetzungen. Dieses Buch ist eng mit Joseph Roths eigenem Schicksal verknüpft. Seit Anfang 1928 ist seine Frau psychisch erkrankt, um den Aufenthalt in den verschiedene Kliniken finanzieren zu können, muss der Autor bis an seine Grenzen arbeiten. Zuletzt kapituliert er. Roth emigriert und flieht auch vor seinem belastenden Privatleben. Da ist die Verbindung zur Hauptgestalt des "Hiob", dem Lehrer Mendel Mechelovitsch Singer, der mit seiner Familie das wolhynische Stetl Zuchnow verlässt, nach Amerika emigriert, aber den geistig behinderten jüngsten Sohn, Menuchim, alleine zurücklässt. Von Menuchim bekommen die Singers nur spärliche Nachrichten, aber für die Neo-Amerikaner entwickelt sich zunächst alles positiv. Nur Mendel Singer hat "Heimweh nach Rußland, und es beruhigte ihn zu wissen, daß er noch vor den Triumphen der Lebendigen ein Toter sein würde". Tatsächlich erweist sich das Exil als Katastrophe. Amerika zeigt sich so, wie wir es aus den Beschreibungen Ferdinand Kürnbergers, der die Erfahrungen Nikolaus Lenaus verarbeitet hat, kennen: kapitalistisch, oberflächlich, zuletzt grausam. Mendel Singer ist verloren in Amerika.
Schaudernd hören wir, wie "seine Majestät, der Schmerz" in den alten Juden fährt, und dieser erkennt, dass alle seine Beziehungen gescheitert sind, weil nur dazu nütz, zu verbergen, dass "er schon seit Jahren einsam war". Die Erfahrung des radikalen Alleinseins schließt eine Beziehung zu Gott aus, dessen Wort in der Thora er ein Leben lang studiert und beachtet hat. Und selbst für die nur oberflächlich religiösen Freunde ist es, als Mendel Gott lästert, "als hätte er mit scharfen Fingern an ihre nackten Herzen gegriffen". Was es heißt, auf sich selbst zurückgeworfen, allein und einsam zu sein, Joseph Roth erzählt es hier gültig für uns Menschen der Moderne. Und wir verstehen es.
In der Literaurkritik zählt "Hiob" nicht zu den besten Werken des Autors. Nicht zuletzt, weil am Schluss des Buches ein Wunder geschieht. Vielleicht hat auch Joseph Roth die Hoffnung darauf nie ganz verloren. Zumindest schreibt er am 14. September 1934 an seine Schwiegereltern in Wien: "Ich habe selbst auf ein Wunder gewartet und mich ruiniert."

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