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Jeanne d'Arc

Niemals habe ich einen Menschen getötet.
Jeanne d’Arc 1431 im Prozess in Rouen

Jeanne d’Arc, die Jungfrau, Kriegsherrin, zum Feuertod Verurteilte und Heilige ist eine vieldeutige und umstrittene Figur der französischen Geschichte, deren Glanz je nach politischem Bedarf immer wieder aus der Versenkung geholt und dann wieder mit Misstrauen und Ablehnung belegt wird. Zuletzt war es Marine Le Pen, die ihren Nationalismus und die Ablehnung der EU mit Jeannes Kampf gegen die Engländer im Hundertjährigen Krieg verglich.
Zwar gibt es durch die akribisch aufgezeichneten Prozesse - erst ihrer Verurteilung 1431, dann 1455 ihrer posthumen Rehabilitierung - eine sehr ausführliche Dokumentation ihres Lebens und Archive voller Materialien zum Umfeld, dennoch bleibt diese junge Frau seltsam unfassbar und rätselhaft. Das hat in den fast 600 Jahren seit ihrem Erscheinen in der Weltgeschichte immer wieder Historiker und Künstler zu Neudeutungen und Revisionen verführt. An der Art der Deutungen lässt sich jeweils viel über die Epoche ablesen. Der Engländer Shakespeare sieht in ihr eine sündige Betrügerin. Aufklärer Voltaire macht sich über die naive Jungfrau lustig. Schiller feiert mit viel Euphorie den heroischen Kampf gegen die Machtverhältnisse. Dreyers berühmte Verfilmung der Gerichtsprotokolle stellt vor allem ihre tiefe Gläubigkeit aus, während die letzte grosse französische Verfilmung durch Besson die kriegerische Jungfrau als Verblendete und Rachsüchtige diskreditiert und damit ein Abbild einer Zeit schafft, die dem Krieg zwiespältig gegenübersteht: er zeigt in den eineinhalb Stunden des Filmes erst eine Blutorgie, um dann die Reue einzufordern. Das ist nur die Spitze des Eisbergs: geschätzte 4000 Werke widmen sich der Jungfrau, die nur 21 Jahre alt wurde.
Auch die Historiker interpretierten die Motive, die Hintergründe und Auswirkungen sehr unterschiedlich. Hörte sie nun Gottes Stimme oder fiel sie den Phantasmen einer Schizophrenie durch einen Hirntumor zum Opfer? War sie eine Schwindlerin oder die illegitime Halbschwester des vermutlich ebenfalls illegitimen Dauphin, für den sie kämpfte und dessen Krönung sie durchsetzte. War sie das Maskottchen der Feldherren Xantraille, La Hire, Dunois und de Rais, die mit ihr die alte Druiden-Weissagung illustrierten, eine Frau werde einst Frankreich retten, und so ihren demotivi- erten Söldnern neuen Auftrieb gaben? Oder ein Mannweib mit enormem Kriegstalent? Wer könnte das heute auch noch beweisen?
Ihre pragmatische Weigerung, am Schlachtfeld Frauenkleider anzuziehen und ihre vielgeprüfte und vielzitierte Jungfernschaft machten sie immer schon zu einem fast modernen Zwischenwesen - nicht Mann, nicht Frau, nicht Kind. Ihr grosser gesellschaftlicher Sprung von der Bauerntochter in einem kleinen Dorf zur geadelten Feldherrin, die mit den Spitzen der Gesellschaft sehr selbstbewusst verkehrte und sogar den König als ihren kleinen Charles bezeichnete und ihm Vorschriften machte, die sich gegen das Dogma der Kirche stellte und sich im Prozess äusserst klug gegen die spitzfindigsten Kleriker selbst verteidigte - all das macht sie jedenfalls neben ihren mächtigeren Zeitgenossen, die in der grossen historischen Distanz bereits verblasst sind, zu einer nach wie vor schillernden Grösse, zu einem Rätsel, zu einer Chiffre.