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Der Schrei, die Stimme

Alles ist still. Doch: Ein Ruf ist zu hören. Im Schweigen der Dinge, im Geschrei der Tiere, im Singen der Vögel ist er zu hören. Im Reden ist er zu hören, in den unzähligen Wörtern und im Plaudern der Kinder. Im Schweigen ist er zu hören, wenn alles Reden erstorben ist. Er ist im Röcheln der Sterbenden zu hören, in ihrem letzten verzweifelten Schrei, er ist noch dann zu hören, wenn gar nichts mehr zu hören ist, im Schweigen des Todes. Es ist immer derselbe Ruf, dieselbe Stimme.
Wer ruft? Ist es ein Gott? Bin ich es? Gott ruft nach mir, und ich rufe nach Gott. Oft übertönt mein Rufen die leise Stimme Gottes. Erst, wenn mein Rufen erstorben ist, erst dann wird diese Stimme, dieser Ruf, der immer und überall zu hören ist, erst dann wird er für mich vernehmbar sein. Die Unschuldige, das Kind rufen nicht nach Gott. Sie hören seine Stimme. Ihr Schrei kann diese Stimme nicht übertönen, denn ihr Schrei ist diese Stimme, ist eins mit ihr.
Am 22. Juli 2000 hatte ich einen Traum: Es war Krieg. Wir sind in vermintem Gebiet. Auch nach der Minenräumung sind Minen geblieben. Wir, ich und andere, bewegen uns unter Gefahr. Einer weist auf eine Mine, die vor uns vergraben ist. Er wirft etwas auf sie, sie kann jeden Moment explodieren. Wir rennen weg, gehen in Deckung. Ich sehe jemand, einen Feind, einen Fremden, der nicht weglaufen kann, in der Nähe der Mine, nicht geschützt. Er kauert dort. Ich will ihn nicht allein in der Gefahr lassen, einer Todesgefahr. Ich kehre um, gehe zu ihm und umarme ihn. Ich spüre die Gefahr, doch bin ich ganz ruhig dabei, eine innige Zuwendung. Dann bin ich aufgewacht. Ich war damals gewissermaßen in vermintem Gebiet, ich hatte Feinde. Krieg ist immer.
In tausend Stimmen gibt es eine Stimme, die uns ruft. Es ist immer dieselbe Stimme. Sie ruft uns, dass wir unsere Deckung verlassen, dass wir uns auf den Weg machen zum anderen, der in Gefahr ist, in Not, dass wir uns zu ihm begeben, und sei es der Feind, der Fremde. Ja, eigentlich gerade zum Feind, gerade zum Fremden. Die Stimme ruft uns, dass wir den Feind, den Fremden in seiner Gefahr nicht allein lassen. Denn seine Gefahr ist auch die eigene. Wer dieser Stimme folgt, begibt sich in Todesgefahr. Doch er entdeckt ein anderes, eine neues Leben. Die Heiligen und die Kinder folgen dieser Stimme. In ihrem Schrei schreit Gott nach uns. Wer diesem Schrei folgt wird entdecken: Hier ist alles ruhig, innige Zuwendung.
So werden wir hellhörig für den Gesang der Vögel.

Gustav Schörghofer SJ