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Die Kulturwoche, 6.6.2009 - Katja Kramp

Der vergessene Alchimist - die Premierenkritik


Wieder ein Volltreffer! In "Der vergessene Alchimist", der dritten Bearbeitung von Leo Perutz´ Kurzgeschichten aus "Nachts unter der steinernen Brücke", entführt uns sireneOperntheater erneut in die magische Welt rund um Rudolf II. und den Mordechai Meisl im Jahre 1592.
Noch völlig gepackt von der letzten Folge im 9-teiligen Opernzyklus, die vom Sirene Operntheater aus einigen Kurzgeschichten von Leo Perutz erarbeitet wurden, warte ich am Abend des 5. Juni 2009 zur Uraufführung von "Der vergessene Alchimist" auf meinem Platz in der ehemaligen Ankerbrotfabrik im 10. Bezirk. Ich bin vor allem eines: Gespannt was dieser Opernabend bringen wird.
Dann geht es los. Dirigent Francois-Pierre Descamps läuft mit einer Wunderkerze einmal quer über die Bühne und leitet somit auch sinnbildlich die Wunder dieser Geschichte ein. Und da geht es tragisch zu. Die aus der letzten Oper bekannten Helden Erzherzog Rudolf II und der Mordechai Meisl sind älter geworden. War der Jude Mordechai Meisl vorher noch ein Kind und Rudolf Erzherzog, so haben sich jetzt beide entwickelt. Rudolf zum Kaiser und Meisl zum reichen Kaufmann. Rudolf völlig überschuldet und gefangen in seiner Sucht nach teurer Kunst, beschäftigt seit vielen Jahren den Alchimisten van Delle, um ihn aus Blei Gold herstellen zu lassen. Um dem Kaiser zu zeigen, dass er seinen Job wert ist, bietet van Delle ihm seinen Kopf an, wenn er bis zum Wenzelstag nicht einen 12 Pfund schweren Goldbarren hergestellt hat. Der Kaiser nimmt den Handel an und denkt fortan nur noch an das Dürer-Gemälde "Christus als Schmerzensmann", welches er unbedingt besitzen will. Dem Alchimisten wird schnell klar, dass er nicht reüssieren kann. Er hat um sein Leben gespielt und verloren. Die einzige Rettung kommt durch seinen Freund Brouza, der ehemalige Lieblingshofnarr Kaiser Maximilians (Rudolfs Vater). Dieser beschafft ihm das Geld und die Möglichkeit zur Flucht, so dass ihn der Kaiser nicht finden kann. Dieser hat den Alchimisten allerdings schon längst vergessen und kümmert sich schon um eine ganz andere Art der Geldbeschaffung. Sein Kammerdiener Philipp Lang bringt ihn darauf, dass man ja denjenigen fragen könnte, der sich mit Geld und Reichtum auskennt: Den Mordechai Meisl. Und so fädelt Lang dann das Geschäft ein. Meisl bekommt Privilegien vom Kaiser, die er als Jude sonst eigentlich nicht erhält und der Kaiser bekommt im Gegenzug das lang ersehnte Geld. Als van Delle davon erfährt ist er zutiefst gekränkt. Er sagt: "Wozu hab ich dieses Leben denn gerettet, das so schnell vergessen war. Meinen Kopf zu retten, war mein Kopf nicht wert." Und während der König sich immer noch über den neu gewonnenen Besitz des Dürer Gemäldes freut, schneidet sich der Alchimist die Pulsadern auf und stirbt.
Die hohen Erwartungen wurden auch dieses Mal nicht enttäuscht. Das war eine weitere brillante Operninszenierung, die weder bei musikalischer Umsetzung, noch in Bühne, Kostüm oder Gesang etwas zu wünschen übrig lässt. Musikalisch geht es relativ subtil und leise zu Werke. Mal "brodelt" die Musik förmlich mit Variationen in der Lautstärke, als der Alchimist auftritt. Herrlich sein Bühnenrequisit, eine große Leiter an deren Seite unzählige kleine Trichter ineinander laufen und viele kleine Flaschen mit farbigen Flüssigkeiten aufbewahrt werden. Mal widmete sich die Musik dann eher dem Gefühlsleben der einzelnen Figuren. So unterstreichen die aufgeregten, von den Streichern dominierten Klänge, wie die Gedanken mit dem Alchimisten durchgehen, als er bemerkt, dass er sein Leben aufs Spiel gesetzt hat. Als Rudolf dann letztendlich zu seinem Geld kommt, heiligt er es förmlich, sein Kammerdiener wiegt die Geldsäcke wie ein Baby. Das beinahe verwunschene Spiel der Harfe zeigt hier auf, das Rudolf doch irgendwie in einer Traumwelt lebt.Für mich noch hervorzuheben ist die, neben dem Gesang, auch schauspielerische Leistung der Darsteller. Da wird jede Faser des Körpers sirene ausgenutzt um die Rolle zu spielen und nicht nur die Stimmbänder. Besonders gut umgesetzt beim Alchimisten van Delle (John Sweeney), der durch seine Mimik sämtliche Gedankengänge und Ängste seiner Figur auszudrücken versteht. In der Todesszene dann auch wieder der Einklang zwischen Musik und Handlung. Das Orchester setzt noch einmal zu aufgeregtem Spiel mit dominierenden Flöten und Schlagwerk an, das letzte Leben symbolisierend, welches durch die Adern fließt, dann ist mit dem Gongschlag alles Leben erloschen.
Zu einem anderen starken Bild gehört das Gemälde von Dürer. Während des gesamten Stückes hängt es hoch oben, unerreichbar an der Hallendecke. Erst als Rudolf im Besitz des Goldes vom Mordechai Meisl ist, hängt er einen Geldsack an einen Flaschenzug und kann es Stück für Stück zu sich hinunterziehen. Zum Schluss umarmt er "seinen" Dürer und nimmt ihn sogar mit ins Bett. Dieser Kaiser ist kein Erwachsener Mann, sondern ein kindliches Gemüt im negativen Sinne. Er übernimmt keine Verantwortung für sein Handeln, seine Schulden sind ihm egal, er ist nur besessen von Kunst und so spiegelt sich die Seele dieses Herrschers im Stück als Typ wider, der im Schlafanzug vor dem zu Bett gehen in (Kunst)bilderbüchern blättert. Beim Nach Hause Fahren konnte ich gar nicht aufhören über diese Oper zu diskutieren. In den 60 Minuten ist soviel auf der Bühne und auf dem Orchesterpodest passiert, da lässt sich bestimmt noch das eine oder andere Gespräch darüber führen.

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