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mica Musiknachrichten, 20.7.2009 - hr

Ein „Gespräch der Hunde“ (Christof Dienz) schloss den Sirene-Opernzyklus in der Ankerbrotfabrik.


„Alle neune“: Der neunte und letzte Beitrag zum Leo Perutz-Zyklus „Nachts unter der steinerenen Brücke“ kam von Christof Dienz (heuer auch „Composer in residence“ bei Musik aktuell Niederösterreich. Der Zitherspieler, Fagottist und Komponist bewältigte die Aufgabe mehr als achtbar. Nicht minder das von Dienz aus Bläsern und Schlagwerk, sowie nur einem Cello + Kontrabass und E-Gitarre ausgestattete ensemble on_ line. Bestechend auch Regie, Ambiente und Ausstattung – alle Möbelstücke (Kulissen, Kutschen, Betten als Wohnungen) der „Wunderkammeroper“ wurden am letzten Abends zur „Dernière“-Feier noch einmal in die Halle gerollt. Worum es ging: Der vom Unglück verfolgte, aber fromme Jude Berl Landfahrer (gesungen und gespielt von Bernhard Landauer) soll wegen Hehlerei gehenkt werden. Zwei „Wächter“ und Häscher der kaiserlichen Truppe haben ihn mit einem Pelz, den er aufklaubte, schlau eingefangen. Zur besonderen Abschreckung soll er zwischen zwei Hunden, die zu seinen Seiten ebenfalls „hingerichtet“ werden sollen, gehenkt werden. Die Nacht vor der Exekution verbringt Landfahrer mit den zwei Hunden in der Zelle, einen Hund vom Land und den Pudel des verstorbenen Kaufmannes Mordechai Meisl (einer Hauptfigur in vielen der anderen Opern des „Nachts“-Zyklus). Die Hunde kläffen, scheint es, obwohl sie sich miteinander nur unterhalten wollen, während Berl Landfahrer beten will. Er will einen Bann über die beiden Hunde (gesungen von Richard Helm und Bernd Lambauer, die mit schönen Handpuppen, die die Hunde darstellen, ausgestattet sind) verhängen. Doch irrt er sich in einem Buchstaben – und bei der Kaballa wiegt so etwas schwer. Statt der erwünschten Ruhe kann er nun die Hundesprache verstehen. So hört er, wie der Pudel erzählt, dass der Morechai Meisl Geld für den unglücklichen Berl Landfahrer vergraben hätte, das er ihm hätte zeigen sollen, doch kenne er den Landfahrer nicht und hätte es ihm deshalb nicht zeigen können. Berl Landfahrer stellt sich daraufhin dem Pudel vor, der Pudel freut sich und verspricht, ihm am nächsten Morgen das Versteck zu zeigen. Da eröffnet Landfahrer dem Pudel, dass sie alle drei am Morgen gehenkt werden sollen. Der Pudel kündigt an, schnell zu entwischen, wenn jemand komme und die Tür aufmache. Am nächsten Morgen verlautbaren die beiden Wächter, dass der Judenrat eine Kaution gezahlt hat, Berl Landfahrer ist begnadigt und kann seiner Wege gehen. Das haben die Hunde schon vor ihm mehr als schnell getan. Für den Rest seiner Tage sucht Berl verzweifelt nach dem „Pudelhund“.
Christof Dienz’ Musik und Instrumentation verwendete für die Wächter im Sold des Kommandanten Wallenstein (der eher seinen Soldaten das Plündern abgewöhnen wollte als arme Leute zum Tod zu verurteilen) am Beginn Megaphone. Auch sonst schwebte ihm eine „lustige, übertreibende, karikaturartige Oper“ vor. Doch kennt die Musik (unter Verwendung eines Countertenors für die Rolle des armen Landstreichers) auch verhaltene Töne und kabbalistische Erörterungen, bei denen die Hunde eher einschlafen. Sonst sind die Hunde ironische und lebenskluge Wesen. („Wozu vergraben die Menschen Geld? Wozu? Man kanns nicht essen“). Der phlegmatische Landhund („Wau wau“) kriegt als charakterisierendes Instrument vor allem die Posaune, der gscheitere Pudel (Heff! Heff!) auch Cello und Kontrabass als Kontrapunkt zugeordnet. Klarinetten, Trompete und Horn spielen manchmal den „Libero“.
Über die vorangegangenen, vom mica nicht besprochenen Aufführungen (Wagner, Banlaky, Schedlberger) kann man die auch auf der Sirene-Seite unter „Presse“ zitierten Besprechungen diverser Zeitungen und Medien nachlesen. Mit dem Schreiber für den „Neuen Merker“ können wir voll übereinstimmen (Der neue Merker, 27.5.2009 - Hans Peter Nowak): „Man stelle sich vor, Murgers Bohème-Roman wäre nicht nur von Leoncavallo und Puccini, zuerst ohne Wissen voneinander, dann in wildem Wettstreit vertont worden, sondern planmäßig auf beide und noch 7 weitere Kollegen verteilt worden und einer der 9 Komponisten hätte dann noch die meisten Aufführungen dirigiert ...
Zu den ersten 6 Aufführungen ist zu sagen: Die Idee fesselt von Mal zu Mal mehr. Die Musik der verschiedenen Komponisten ist nicht gleich, aber mit einer Verwandtschaft auf einer höheren Ebene gesegnet. Auch dass Kaiser und Meisl in der 5. wie in der 1. Oper im Stehen schlafen, gibt Zusammenhang. Besonders hervorzuheben sind die Kostüme, phantasievoll und der Zeit nicht widersprechend – eine seltene Kunst heutzutage – von Markus Kuscher. Auf eine Frage nach der Finanzierbarkeit des großen Vorhabens sagte Kristine Tornquist, verantwortlich für Libretto und Regie, dass Sponsoren es möglich machten, das Projekt durchzuziehen. Zwischendurch schien es, als könnten die letzten 3 Aufführungen nicht stattfinden. Jetzt plant man schon eine gebündelte Wiederholung im nächsten Jahr. Dies zu hören, freut den Merker’, denn dieses Projekt mit all seinen erfolgreichen Anstrengungen soll weiteres Publikum finden.“
Das freut das mica auch: Heff, Heff! (hr) .

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