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Musique de scène - das Projekt

Olivier Messiaen bewunderte ihn für die „noble Art seiner Kunst und seines Denkens“: Nun liegt die Edition von einem bisher unveröffentlichten Werk Jean Barraqués (1935-2013) vor, die aus den Archiven der Association Jean Barraqué bzw. der Bibliothèque nationale de France stammen und neue Erkenntnisse liefern.
In den Jahren 1958/59 – die Klaviersonate ist vollendet, ebenso Séquence, eine Étude für Solostimme und Instrumentalensemble auf Gedichte von Nietzsche, sowie (noch nicht instrumentiert) Le Temps restitué – komponierte Barraqué für eine Aufführung des Regisseurs und Theoretikers Jacques Polieri eine Musique de scène zu kurzen Stücken von Jean Thibaudeau. An diesem Spektakel sollten mehrere Maler, unter ihnen René Allio, Jean-Michel Atlan, Maurice Béjart, Sonia Delaunay, Serge Poliakoff, Pierre Soulages, Maria Helena Vieira da Silva, beteiligt sein, die "die Musik in Bilder umsetzen" sollten. Mit Jacques Polieri (1928–2011) hatte Barraqué gerade an dem Projekt einer szenischen Komposition mit dem Titel Sonorité jaune (nach Wassily Kandinsky) gearbeitet, für die bereits seit 1957 einige Skizzen vorlagen. Jean Thibaudeau (1935–2013) war Romanautor, Essayist, Dramatiker und Übersetzer von Calvino, Cortázar und Sanguineti; er arbeitete außerdem als Redakteur für die angesehene Zeitschrift Tel Quel. Mit seinen Romanen befand er sich in der Nähe des Nouveau Roman. Die sieben kurzen Stücke entstanden in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre; sie wurden von Barraqué zurückgehalten und blieben unveröffentlicht: I. La chambre / II. Invitation au voyage / III. Échelle visuelle ou autre chose / IV. Le dernier jour / VI. Le voyage / VII. Le regard.
Polieri erweiterte diesen Zyklus um ein weiteres Stück, zu dem Barraqué eine Musik geschrieben hatte: die V. Comédie intrigante. Er verwarf diesen Plan später allerdings. Amer ou les trois femmes, ein weiteres Stück von Jean Thibaudeau, wurde von Barraqué nicht vertont, sondern mit populärer Musik gespielt.

Laurent Feneyrou in [t]akte 1/2017