sirene-annefrank-15.jpg sirene-annefrank-4.jpg sirene-annefrank-3.jpg sirene-annefrank-11.jpg sirene-annefrank-9.jpg sirene-annefrank-13.jpg sirene-annefrank-10.jpg sirene-annefrank-5.jpg sirene-annefrank-2.jpg sirene-annefrank-6.jpg sirene-annefrank-14.jpg sirene-annefrank-7.jpg sirene-annefrank-1.jpg sirene-annefrank-12.jpg sirene-annefrank-8.jpg

Neue Vorarlberger Tageszeitung, 28. 5. 2006

Anne Frank wirkt auch als Oper

Zu einem äußerst bewegenden Abend geriet die Aufführung der Mono-Oper
von Grigori Frid über Anne Frank im Salomon Sulzer Saal in Hohenems.
„Das war jetzt nur ein einziges Schicksal, von dem wir derart bewegt wurden, und dabei waren es Millionen, die das erlitten haben.“
So fasste eine sehr alte Dame die Stimmung nach der Aufführung in Worte. In der Tat war die Rührung groß im bis auf den letzten Platz gefüllten neuen Salomon Sulzer-Saal in der ehemaligen Synagoge Hohenems, und viele waren wohl der Amsel dankbar, die vor den Fenstern unermüdlich sang, denn sie half, dass man den Boden nicht gänzlich unter den Füßen verlor.
„Das Tagebuch der Anne Frank”, schon als Literatur eines der bewegendsten Zeugnisse des Holocaust, verfehlt auch als Oper seine Wirkung nicht. Grigori Frids Musik, 1972 in Moskau in einer Orchesterfassung uraufgeführt und 1999 für neun Soloinstrumente bearbeitet, unterstützt den Text mit Klängen und nimmt mit deren ersten den Tod vorweg, von dem auch das Publikum weiß, jedoch die Protagonistin nicht. So erfahren wir nicht nur über die Angst vor den Hitlerschergen, sondern auch die Probleme Annes, die sie mit jeder Heranwachsenden teilt: die Schwierigkeiten mit der Umgebung und besonders den Eltern, die Annäherungen ans andere Geschlecht, die hoffungsvollen Zukunftspläne und die Liebe zur Natur, die sie freilich nur durch die Ritzen ihres Versteckes genießen konnte.
Die Altacherin Nina Maria Plangg ist eine Idealverkörperung der Anne Frank, ihre Präsenz in Stimme und Spiel ist beeindruckend und erschütternd. Michael Köhlmeier las dazwischen Briefe von Anne Frank. Dass er es mit einer durch eine Erkältung fragilen Stimme tat, machte es noch bewegender. Bleibt, das präsente, jedoch öfters zu laute und die Stimme zudeckende Instrumentalensemble „Sonare“ unter Thomas Kerbl zu nennen, der Regisseurin Kristine Tornquist für die feinsinnige Regie zu danken und zu erwähnen, dass diese Produktion bereits in Schloss Hartheim gezeigt wurde und noch ins Jugendstiltheater des Otto Wagner Spitals in Wien geht.

Andere Kritiken