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Presse

Wien modern - Rückblick 3 und Kommentar
Ausschnitt aus einem Artikel von Heinz Rögl für die mica news 04.12.2007


Nicht, dass da (neben einigem Verzichtbarem) nicht viel Interessantes auch dabei gewesen wäre, aber ein treuer, das Festival täglich frequentierender, auch von Haus aus neugieriger Generalpassgeher, der irgendwo eine verbindende gemeinsame Klammer gesucht hat, fühlte sich allmählich ein bisschen - nun ja - verschaukelt. Es ging ihm der Atem aus und den verantwortlichen Kuratoren, so der Verdacht, beim Programmieren auch. Vier Wochen sind eine lange Zeit. Klarstellung: Man kann und soll den Radius bei Wien Modern auf andere Musik- und zeitgenössische Kunstformen erweitern, aber man läuft dann - wenn das Konzept nicht stringent genug ist - damit Gefahr, Wien Modern mit nur mehr einem Restrumpf des alten Festivals zu etwas nicht mehr klar Identifizierbaren umzufunktionieren. Will man das? Was in den diversen Szenen und Subgrenres (ob Turntable, "Second Life", Elektronik, experimentelle Labels, Tanztheater) geboten wurde, blieb heuer außerdem sehr im Bereich des Erwartbaren, in einigen Fällen auch zu Befürchtenden. Es hätte alles konzeptiv besser, pfiffiger, in gutem Sinn auch provokanter oder überraschender sein können. War es aber zumeist nicht.

Was dennoch gut war


in der zweiten Halbzeit des Festivals, der dieser Rückblick gilt, das waren für sich genommen natürlich einzelne Events, Stücke, Beiträge. Bei den "Klangmaschinen" Volkmar Kliens pendelnde mixed-media-Installation "Relative Realitäten" zum Beispiel, Peter Ablingers herrliche Wechselrede-Komposition für die beiden Autoklavierspieler von Winfried Ritsch, oder das überaus elegant gebaute und witzig durchdachte Monochorde-"Streichquintett" von Jakob Scheid.

Die Zeit, Thomas Mießgang, 06.02.2017

(...) Jakob Scheid, der auch einmal freier Mitarbeiter im Architekturbüro Coop Himmelb(l)au war und Bühnenbildner des sirene Operntheaters, kann mittlerweile auf ein beachtliches Arsenal an Klangautomaten zurückblicken, die, wie es in einem Text über den Künstler heißt, "mit hohem technischen Aufwand unbrauchbare, absurde oder missglückte Produkte beziehungsweise Effekte erzeugen".
Darunter auch ein Quintett aus Geigenmaschinen, die über eine Horchfunktion verfügen und unter dem Titel Fünf Monochorde zufällig erhaschte Töne speichern und nachzuspielen versuchen – was gelegentlich zu einer Art von Zufallsklang führt, an der John Cage seine Freude gehabt hätte.
Die Arbeiten von Jakob Scheid, die sich bei ständig wachsender Komplexität zu einem Lebensprojekt entwickeln, erinnern an die Klanginstallationen von Jean Tinguely und vielleicht auch ein wenig an die Intonarumori, die provokanten Lärminstrumente der Futuristen. Doch bei Scheid, der sich als ein Künstler bezeichnet, der "eigentlich unmusikalisch" sei und die Klangproduktion deshalb an "die Apparate ausgelagert" habe, geht es nicht um Musik an sich, sondern um die Vorstellung von einer in die Zeit eingebetteten Skulptur: "Als bildender Künstler ist man den Musikern immer ein bisschen neidig, dass die Musik eine abstrakte Kunst ist, die sich aber überhaupt nicht dafür rechtfertigen muss." Ein bildender Künstler hingegen sei immer gezwungen, zu erklären, warum er auf Gegenständliches verzichte und sich einem intuitiven Formenrausch hingebe. "Wenn eine Skulptur jedoch einen Klang macht", sagt Jakob Scheid und verleiht seiner Stimme Nachdruck, "dann ist die Nutzfrage schon beantwortet".