Marian, Vasile Maringer, Sabine Mathéy, Ragnar Alexander Matiakh, Ariane Matsché, Susanne Matt, Stefan Mattersberger, Andreas Mäuerle, Rio Maurberger, Helmut Maurer, Gary Mavambu Biba, Daniel Mayr, Alexander Mayr, Manuel Mayröcker, Friederike McDolan, Molly McQuade, Benjamin Meissl, Johannes Meister, Nadja Mekontchou, Jules Lazare Menke, Caroline Mertin, Barbara Michailova, Ekaterina Miesenberger, Markus Mijatovic, Maja Mikes, Magdalene Milenkov, Apostol Moises, David Montjoye, Irène Moosmann, Stephan Mosich, Cai

Dr. Ragnar Alexander Mathéy

Mathéy, Ragnar Alexander

Redner, Freund und Förderer.

Vorgestern und gestern waren wir im Waldviertel an Ragnars See zwischen Vitis und Heidenreichstein, den er selbst vor 40 Jahren angelegt hatte, indem er den Abfluß eines Baches aus einer Wiesensenke sperrte. Die Häuser um den See hat er in diesen Jahren stetig auf unverwechselbare Weise umgebaut, ausgebaut und verwüstet zugleich. Die Enge der Bauernhäuser, die Tradition der Raumorganisation ist mit den eingerissenen Wänden, den kreuz und quer eingekeilten Treppen und Zwischendecken verloren gegangen und hat einer neuen Idee Raum gemacht: große blasse Zimmer mit überdimensionierten und asymmetrisch eingesetzten eisernen Industriefenstern, die herbschöne Aussichten hinter ihre Gitter sperren: kein die Natur begrenzender Garten, keine Zähmung, keine Bevormundung oder Erleichterung gegen die Wildnis. Im Gegenteil, auch die Häuser selbst, wie mit den Zähnen gezimmert, sind eine errichtete Wildnis, in der ein vertrauter Gedanke von Zivilisation von älteren Kräften überwuchert wird. Überall, wo es möglich ist, weit mehr noch als man für möglich hält, hat Ragnar Kamine gebaut, offene Kamine, die selbst wieder dem Feuer großzügig Platz geben. Wie vor den Häusern das Gras und das Schilf züngelt in den Kaminen das Feuer frei und gefährlich, den Menschen wird nur der notwendigste Schutz vor dem Chaos gewährt, so wie hier das Chaos vor den Menschen geschützt bleibt. Breit geöffnet die eisernen Türen vor den Hohlräumen, in denen sich die Idee vergangener Jahrhunderte versteckt: alles wird verbrannt, was verbraucht ist, und gebacken, was vonnöten ist: Brot, Bücher, Menschen und das Leben werden erwärmt und verkohlt. Die Treppen und Decken, die Kamine und Stege sind frei von den Namen und Gewohnheiten, jede Treppe unter Ragnars pragmatisch gemurmelten Segensflüchen wild gewachsen wie ein Baum. Die Hand liegt auf der Zeit, als ein archaischer Traum. Wir schliefen in einem großen Zimmer, befeuerten den Kamin mit verbotenem Brenngut. Spanplatten, Pappe, nasses Holz und Plastiksäcke machten im schnellen Aufflammen schmatzende Geräusche wie ein unbekanntes Lebewesen. Am Morgen brach das Bett zusammen, sank auf die eingetrockneten Häufchen des Marders, die Kleider waren von der Nacht feucht und kalt. Mit der Gelassenheit eines Unsterblichen, gleichwohl er viel vom Sterben spricht, blieb Ragnar am Bahnsteig sitzen, nachdem er uns zum Zug gebracht hatte. Ein Gott, der bleibt, wenn wir gehen. Kristine Tornquist

 



Nachruf auf einen Großen
- Jroßartiges muß einmalig sein, sonst ist et nicht jroß, sondern bloß artig.

11. September 1920 - 9. Februar 2003
Dr. Ragnar Mathéy ist 82jährig gestorben! In seinem Haus in der Grundsteingasse 12 lebten und arbeiteten viele Künstler, dort entstand nicht nur „Soho in Ottakring“, sondern fanden sich auch Denkwürdigkeiten wie Wiens einziger Madenautomat, der Vergessensverein, unvergleichliche und legendäre Feste und das sommerlich improvisierte Hoflokal mit offenem Feuer und Grillfisch. Er schrieb unzählbare Memoiren und hatte endlos Geschichten aus dem Berlin der Vorkriegszeit zu erzählen.
In den 50er Jahren war er Österreichs einziger Autofabrikant (Modelle seiner Dreiradautos finden sich etwa im Technischen Museum), pachtete eine zeitlang den ganzen Neusiedlersee, handelte mit Indianerzelten, war „Erbsenkönig“ von Wien und Generalsekretär der Saurer-Werke, baute Österreichs erste Elektroautos und legte einen unumrundbaren See im Waldviertel an, brachte den Sicherheitsgurt nach Österreich, spielte Ein-Mann-Theater auf seinem Lastwagen, den er nicht nur durch sein Gasthaus rollte, sammelte eine Million alter Ziegelsteine und diverse Oldtimer, redete auf Premierenhöhen und in Vernissagenschluchten, zerschnipselte ein gekapertes Militärflugzeug zu Dirndlknöpfen und Schmarrnscherern, erschlich sich ein Doktorat und erfand das anhängergetriebene Fahrrad, versteckte sich in seinen Camping- und Angelfirmen, versorgte Wien mit Karpfen aus eigener Zucht, verteilte 100 offene Kamine im ganzen Land, träumte von den Bildern und Büchern seiner 5 Väter und errichtete sich selbst ein Museum mit unzähligen, seltsamsten Exponaten aller Art, über die sich wirklich Überblick zu verschaffen noch niemandem gelungen ist.

Ragnar Mathéy