Schiffer, Andreas Schindegger, Sebastian Schindel, Robert Schirmer, Oliver Schiske, Claudia Schmidinger, Marcus Schmidt, Mirjam Schmuckerschlag, Dagmar Schön, Thomas Schönmüller, Annette Schorsch, Gerda Schreiberhuber, Hapé Schrettle, Johannes Schubert, Georg Schuch, Barbara Schueler, Roland Schwahn, Mima Schwahn-Reichmann, Raja Schweitl, Katharina Schwendinger, Johannes Schwendinger, Michael Schwertsik, Kurt Schwetz, Matthias Schwidlinski, Maximilian Schwin, Svetlana Seebacher, Walter Seefeld, Ingo Seisenbacher, Maria Shevchenko, Alexander Simon, Alexander

Robert Schindel

Schindel, Robert

Autor und Vorleser.

Robert Schindel (* 4. April 1944 in Bad Hall in Oberösterreich) ist ein österreichischer Schriftsteller.

Robert Schindel wurde 1944 in Bad Hall als Kind jüdischer Kommunisten geboren. Er überlebte nach der Verhaftung seiner Eltern, die sich als elsässische Fremdarbeiter getarnt hatten, um im Auftrag der Exil-KPÖ in Linz eine Widerstandsgruppe aufzubauen, unter falschem Namen: Robert Soel. Er war im jüdischen Kinderspital in der Wiener Tempelgasse (damals Mohaplgasse) untergebracht. Die jüdische Fürsorgerin Franzi Löw und die jüdische Kinderschwester Mignon Langnas verhinderten seine Deportation in die Konzentrationslager nach Auschwitz und Theresienstadt. Sein Vater, René Hajek wurde am 28. März 1945 im KZ Dachau ermordet, die Mutter, Gerty Schindel überlebte Auschwitz und Ravensbrück und kehrte 1945 nach Wien zurück, wo sie ihren Sohn wieder fand.
1959 verließ er das Gymnasium und begann eine Buchhändlerlehre bei einem Wiener Verlag, die er abbrach. Es folgten Reisen nach Paris und Schweden, wo er sich unter anderem als Tellerwäscher durchschlug.
1967 holte er die Matura nach, studierte Philosophie und engagierte sich in maoistischen Kreisen. Robert Schindel wurde Mitbegründer der nach Berliner Vorbild aufgebauten Studentenbewegung „Kommune Wien“ und der Literaturzeitschrift „Hundsblume“, in der er auch seine lyrischen Texte publizierte. Seinem Kreis gehörten auch andere später bekannt gewordene linke Studenten wie Elfriede Jelinek und das Zwillingspaar Konstantin Kaiser und Leander Kaiser an. 1970 veröffentlichte Schindel den Roman Kassandra.
1986 wurde Robert Schindel freiberuflicher Schriftsteller. Davor hatte er seinen Lebensunterhalt mit zahlreichen Jobs u. a. bei Post und Bahn, als Bibliothekar in der Wiener Hauptbücherei (1975-1980), Nachtredakteur bei Agence France-Presse (1981-1983) und als Gruppentrainer für Arbeitslose (1983-1986) bestritten. Nebenbei entstanden auch Arbeiten für Film, Fernsehen und Rundfunk.
Eine zentrale Rolle in seinen Werken spielt die Shoa, sein ambivalentes Verhältnis zu Wien, jener Stadt, die er auch als „Vergessenshauptstadt“ bezeichnet, und dem dort noch immer bestehenden Antisemitismus. Diese Thematik nimmt in den 1980er Jahren in seiner Arbeit mehr Platz ein, in diesem Jahrzehnt dringt auch die unbewältigte NS-Vergangenheit Österreichs durch die Waldheim-Affäre ins öffentliche Bewusstsein.
1992 veröffentlichte er den Roman Gebürtig, der 2001 aufgrund seines Erfolges von Robert Schindel und Lukas Stepanik verfilmt wurde.
Von 1998 - 2002 war der Mitglied der Jury des Ingeborg Bachmann Preises, ab 1999 deren Vorsitzender
Er ist ein Förderer von Nachwuchsschriftstellern und hält seit 2003 verschiedene Schreibwerkstätten für junge Autoren ab.
2004 wurde Schindel Mitherausgeber der „Landvermessung. Österreichische Bibliothek nach 1945. Vergessene, Bleibende, Künftige. Vormals Austrokoffer.“, die aufgrund des österreichischen Jubiläumsjahres 2005 (50 Jahre Staatsvertrag, 60 Jahre Republik, 10 Jahre EU-Beitritt) aufgelegt wird.
2006 gründete er gemeinsam mit dem Rudolf Scholten in Heidenreichstein das Literaturfestival Literatur im Nebel. Jährlich wird ein weltbekannter Schriftsteller in den Mittelpunkt des Treffens gestellt, der dann auch persönlich anwesend ist. Bisher waren dies Salman Rushdie (2006), Amos Oz (2007), Jorge Semprún (2008) und Margaret Atwood (2009).
Robert Schindel ist Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg und ab dem Wintersemester 2009/2010 als Professor an der Universität für Angewandte Kunst in Wien tätig.

Werke
* Ohneland. Gedichte vom Holz der Paradeiserbäume. 1979-1984. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1986.
* Geier sind pünktliche Tiere. Gedichte. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1987
* Im Herzen die Krätze. Gedichte. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988
* Ein Feuerchen im Hintennach. Gedichte 1986-1991. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1992
* Gebürtig. Roman. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1992
* Die Nacht der Harlekine. Erzählungen, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1994
* Gott schütz uns vor den guten Menschen. Jüdisches Gedächtnis - Auskunftsbüro der Angst. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995
* Immernie. Gedichte vom Moos der Neunzigerhöhlen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2000
* Nervös der Meridian. Gedichte. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003
* Zwischen dir und mir wächst tief das Paradies. Liebesgedichte. Vorwort: André Heller; Ill.: Christof Subik, Insel, Frankfurt am Main Leipzig 2003
* Fremd bei mir selbst. Gedichte. Nachwort von Marcel Reich-Ranicki. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2004
* Kassandra. Roman, Vorwort von Robert Menasse, Haymon Verlag, Innsbruck 1979/2004, ISBN 978-3-85218-446-3
* Wundwurzel. Gedichte. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005
* Der Krieg der Wörter gegen die Kehlkopfschreie, Capriccios, Haymon, 2008, ISBN 978-3-85218-573-6
* Mein mausklickendes Saeculum. Gedichte. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008. ISBN 978-3-518-42024-9
* Dunkelstein. Eine Realfarce. Haymon Verlag, Innsbruck 2010

Preise, Auszeichnungen
* 1989 Förderpreis des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie
* 1991 das Elias Canetti-Stipendium der Stadt Wien
* 1992 Förderpreis des österreichischen Staatspreises für Literatur
* 1992 Förderpreis des Marburger Literaturpreises
* 1992 Dr. Emil-Domberger-Literaturpeis der B’nai B’rith Européen
* 1993 Erich-Fried-Preis
* 1995/96 Stadtschreiber von Klagenfurt
* 1997 DAAD-Stipendium in Berlin[1]
* 2000 Mörike-Preis der Stadt Fellbach
* 2003 Literaturpreis der Stadt Wien
* 2005 Willy und Helga Verkauf-Verlon Preis des DÖW für österreichische antifaschistische Publizistik
* 2005 Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien[2]
* 2007 Jakob-Wassermann-Literaturpreis der Stadt Fürth
* 2009 Kulturpreis des Landes Oberösterreich für Literatur

Robert Schindel