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Feist

Sacramentum Desparationis

Feist, der Titelheld, ist - die 3/5 Namensgleichheit soll es besagen - ein Verwandter des Faust. Faust, dem vor dem Leben graut, vor dem wirklichen, nicht vor dem möglichen (das Leben hat ihm nicht gebracht, was sein Begehren gestillt haben würde) schließt den notorischen Pakt mit dem Teufel. Um zu bekommen, was ihn dürstet. Dafür verschreibt er Mephistopheles seine Seele. Ein äußerst kurzsichtiges Geschäft (ganz abgesehen vom Problem, ob das Böse je Glück garantieren kan), kaum jemandem zuzutrauen, wen nicht einem Unzurechnungsfähigen....Muß doch als Hintergrund des Geschäfts die christliche Himmel-Hölle-Weltgerichtsordnung veranschlagt werden. Solche, den didaktischen Absichten der mittelalterlichen Fabel eher entgegenkommende, aufgekärter Rezeption vollkommen unannehmbare Aberwitzigkeit des Faustischen Konzeptes korrumpiert alles Vertrauen in die Story (in die der aufgeklärte Bourgeois ansonsten, das Begehren betreffend, sich mindestens so gut einfühlen kann wie sein mittelalterliches Pendant). Goethe hat die Insuffizienz gespürt. Er sinnt auf Faust II.
Feist kennt keinen Teufel, nur den Tod (den ja auch Mephistopheles in gewissem Sinne, nämlich für das Selige Leben, darstellt). Kennt er ihn? Jedenfalls schließt er seinen Pakt mit dem Tod seiner Vorstellung, also mit sich selbst, genauer mit seinem Ich. Er will seine beschränkten Ressourcen nicht länger aufsparen, dabei trübsinnig dahinvegetierend, sondern bis zur Erschöpfung aufwenden, genüßlich. Das Geld aufbrauchen und damit das Leben. Aber er hat sich getäuscht. Als die Runde des kalkulierten Exitus gekommen ist, läßt der Tod auf sich warten.
Feist verfällt dem Irrsinn. Das Tantum ergo im Irrenhaus revidiert Goethes Faust-Ensemble respektive pointiert Faust II: nicht Leichtsinn, Begehren (bis zum Wahnsinn) wird am Anfang eines metaphysischen Geschäfts gestanden - sondern sich herausgestellt haben als dessen Resultat.

Günter Rupp