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Musik

Je mehr Hindernisse man ringsum aufrichtet, desto mehr befreit man sich von den Ketten, die den Geist fesseln. Sagt Igor Strawinsky.
Die Wirklichkeit hat zwei Seiten. Mindestens. Man muß sich entscheiden, von welcher Seite aus man auf die andere hinüberschaut.
Der Künstler ist das Kind der Vision und der Erfahrung. Dabei ist einer ein ruhiger Visionär, der sich seinen Visionen erst später aussetzt. Und der andere ein temperamentvoller Mensch, der seine Visionen in seinen existenziellen Verausgabungen findet.
Die Drohgebärden des 19. und 20. Jahrhunderts, die das Neue, das man noch nicht ahnen kann, zum verpflichtenden Programm gemacht haben, sind von solchen Verausgabungen und Lebensstürmen gemacht. Und plötzlich war aus dem Handwerk des Arbeiters der Kult des Genies geworden.
Während sich mittlerweile in beinahe jeder Kunst, der bildenden, dem Theater, der Literatur sowieso, eine Abkehr von diesem Ideal durchgesetzt hat, sind die sprachersetzenden, prozeßhaften Künste wie Performance oder Musik anfällig für das religiöse Moment. An das Genie des Komponisten wird ja noch fest - oder zumindest schnell - geglaubt. Das verschafft auch Freiräume: Unbeirrt kann der Komponist in der Welt herumschauen und andernorts unerhörte Lebenserlebnisse einpacken. Zurück in der Manege ist er dann ein Spezialist des Existenziellen. Er ist irgendwie schwerer als die anderen.
Eine meiner Arbeitsbedingungen ist aber die Leichtigkeit des Tuns. Ich glaube ja nicht daran, dass es noch ein übersteigertes Erfindungsbedürfnis gibt - habe zumindest keines. Natürlich soll auch das Komponieren die Kriterien eines Kunstwerks erfüllen: es muß für sich selbst sprechen, es sollte nicht nur illustrativ sein, es muß sich an seine eigenen Regeln halten und überhaupt solche finden, die auch den Komponisten halten.
Die große Lust beim Erstellen einer Partitur ist für mich nicht die Annäherung an die Ferne. Man muß nicht bis ans Ende der Welt gehen um zu entdecken daß sie rund ist - und auch nicht an den äußersten Pol um zu entdecken daß es kalt wird.
Spannender ist die warme Tiefe der Nähe: ich will keine glatte, einer Perfektion zustrebende Partitur, ich will eine, die Spielfreude und Umtriebigkeit herausfordert. Die zum Sprechen ermuntert. Ich muß das Spiel so lange spielen bis ich es nicht mehr verändern kann. Dann bin ich nicht mehr überzeugt. Dann sollen die anderen ändern.
Zum echten Glauben, dem an Alles, muß man aber fähig sein, das ist eine Frage des Charakters. Eine Voraussetzung des Komponierens, aber nicht dessen Angelegenheit.
Mitte meiner Klangvorstellung ist die menschliche Stimme. Diese auszuloten, auch an den Grenzen und Rändern ihrer Strapazierbarkeit, ist mir ein Anliegen. Schließlich leitet jede andere Klangfarbe von diesem Bezugspunkt ihre Kraft ab.
Form begreife ich als Voraussetzung der Möglichkeit von Verständnis - doppelt wichtig, da mich die affektive Beeinflussung des Hörers nicht interessiert. Man muß ihn nicht stören, er ist ja nicht dumm. Man möchte ihm nur etwas erzählen.
Die von MOB art & tone ART in den Sechziger Jahren formulierten Grundprinzipien "Melodie, Harmonie, Rhythmus" bin ich erst gewillt aufzugeben wenn sie wirklich zuende gegangen sind. Ich bin so dankbar über so Vieles schon Gesagtes, dem ich mich gerne anschließe. Ich will keinen ewigen infantilen Neuanfang, keine neue Sprache und habe keinen Bedarf an unlustigem Sprachersatz. Jede lebende Sprache ist erweiterbar, hat auch Raum für Experimente. Man muß sich der Nachvollziehbarkeit aussetzen. Es tut gut überprüfbar zu sein, besser jedenfalls als bewundert zu werden.
Es nutzt ja nichts in den Fängen der Avantgarde stecken zu bleiben. Es nutzt auch nichts Elitenbildungen zu betreiben. Vor allem brauchen wir keine Gefechte mehr. Man darf nicht übersehen wieviel die moderne Kunst einer Kriegskultur zu verdanken hat: dabei ist jedes Kunstmaterial affirmativ indem es da ist. Darin müßten sich alle einig sein.
Der Raum der Musik ist die Utopie. Diese wohnt aber nur in der Vorstellung - und die Sprache ist der Verweis von hier nach dort. Das ist Bedingung dafür, daß es keinen Graben zwischen Kunst und Leben gibt, die untrennbar zusammengehören. Auch die Musen mögen Gemüse. Die Kunst ist ein Teil des Lebens, einer der schönsten, das "innere Blühen", wie Kurt Schwertsik sagt . Aber nicht das Leben selbst. Und auch kein Ersatz dafür.
Jury Everhartz

Dass ich so weit von der Musik fortgegangen bin, ist auch mein Panzer gegen das Glück. Denn die Rührung beim Musikhören, die mich manchmal weinen lässt, ist Traurigkeit, dass der Mensch immer hinter dem zurückbleibt und zurückbleiben muss, was ihm möglich sein müsste, und dass er die Harmonie, nach der er sich sehnt, immer wieder verlässt.
Kristine Tornquist