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Neue Zeitung für Tirol, 3.3.2007

Das zweite Kurzopern-Projekt des Tiroler Landestheaters hatte erfolgreiche Premiere.
In der Kürze liegt die Würze: Zum zweiten Mal ging eine Uraufführungsserie von sieben "Operellen" genannten Kurzopern am Tiroler Landestheater über die Bühne der Kammerspiele. Österreichische Autoren und Komponisten haben sie unter dem Sammeltitel "Abkürzungen und Beschleunigungen" für eine Koproduktion mit dem sirene Operntheater und Jugendstiltheater Wien geschrieben, erfolgreiche Premiere war Samstag Abend.
Von den fünf vorgegebenen Figuren Briefträger/in, Mann im Mond, Koch/Köchin, Astronaut/in und Galileo Galilei ließen sich die Librettisten und Komponisten zu fantasievoll-skurrilen, teils absurden, teils komischen Geschichten inspirieren, in denen es von realistischen bis zu abstrakten oder auch berührenden Momenten viele imaginativ-kreative Ideen, aber auch manches Undurchschaubare zu hören und zu sehen gab.
Dafür setzten sich die bewundernswerten Gesangssolisten Jennifer Chamandy (Sopran), Lysianne Tremblay (Mezzo), Alexander Mayr (Tenor), Andreas Mattersberger (Bass) und die immer wieder bezwingende Schauspielerin Eleonore Bürcher mit Feuereifer ein.
Daniel Glattauer (Text) und Johanna Doderer (Musik) knüpfen mit "Falsch verbunden" an die Kommunikationstechnik von heute an und lassen den Betrachter zu teils minimalistischer, teils mit Klangflächen arbeitender Musik im Chatroom Zeuge verblödelter Intimitäten werden. "Play it like Rosie" von Johannes Schrettle und Hannes Raffaseder pendelt zwischen 1969er-Nostalgie und banalem Geschwafel, Barbara Frischmuth und Ulrich Küchl kreuzen spitzfindige dialogische Klingen zu kantablen Klängen, viel Schlagwerk setzt René Clemencic zu Kristine Tornquists Text "Monduntergang" ein.
Nach der Pause lassen Günter Rupp und Jury Everhartz in ihrer "Fröhlichen Wissenschaft" den langbärtigen Galileo Galilei im Kochtopf auf- und untertauchen; nach allzu viel Fortissimo wird "Vom Mond" von Händl Klaus und Klaus Lang zur Insel der Stille: ein experimentell-minimalistischer Text, auf schwebenden Tönen gesungen, lässt in seiner Rätselhaftigkeit aufhorchen.
Zuletzt fesseln Antonio Fian mit seinem Libretto für eine Blutoper und Herwig Reiters Musik zu "Tod auf dem Mond" mit dem unter Einsamkeit leidenden Mann im Mond, der nur Konsonanten sprechen kann und sich nach Vokalen sehnt. Erst der Tod der mondlandenden Astronauten verschafft sie ihm, doch bleibt er einsam wie zuvor.
Kristine Tornquist hat die musikalischen Kurzgeschichten geschickt und einfallsreich inszeniert, wozu ihr Julia Libiseller eine steril-weiße Bühnenküche mit vielen Klapptüren und -fächern, aber auch die recht originellen Kostüme geliefert hat. Leif Klinkhardt und das TENM - Tiroler Ensemble für Neue Musik - haben die Schwerarbeit der Realisierung dieser sieben sehr differenten Partituren hervorragend bewältigt und das breite Spektrum der kompositorischen Ideen und Techniken mit Präzision und Klangsinn umgesetzt, auch wenn es oft sehr anhaltend laut zuging.
Sicher kann im dynamischen Bereich - auch bei den geradezu heroischen Leistungen der Sängerinnen und Sänger - noch gefeilt werden. Aber auch die darstellerische Flexibilität der fünf Protagonisten verdient nachdrückliches Lob.
Nach weiteren Innsbrucker Vorstellungen übersiedeln die sieben "Operellen" für fünf Aufführungen nach Wien, Premiere ist dort am 24. März im Jugendstiltheater.

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