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Sicherheit. Interview von Wien Modern mit Kristine Tornquist und Jury Everhartz

Wie berechenbar ist Ihr Arbeitsumfeld?
JE: Die Menschen sind verlässlicher als die Dinge. Dafür aber auch überraschender. Schon in den Projektkalkulationen gibt es ein eigenes Feld für „Unvorhergesehenes“. Das gibt es für Künstler nicht, aber sind die es, die nicht berechenbar sind. Überhaupt sollte man in diesen Zusammenhängen nicht sprechen von Leistungen und Berechenbarkeiten. Und man lernt im Lauf der Zeit, dass das, was passiert zuerst einmal gut ist, und das, was nicht passiert, zuerst einmal nicht so gut ist. Und dann kann das natürlich auch wieder andersherum sein.

Ist der Zufall ein Freund oder ein Gegner?
KT: Ein immer etwas klügerer grosser Bruder, dem man blind vertrauen kann.
JE: Weder noch. Ich glaube, jeder Künstler arbeitet einerseits gegen den Zufall, weil er etwas finden muss, das nur so und nicht anders sein kann. Erst wenn es eine Behauptung gibt, gibt es ja auch ein Kunstwerk. Andererseits ist der Zufall ein Synonym für das Leben selbst, es gibt kein Gesetz, das uns geschaffen hat. Ohne das verstanden zu haben kann keine Gesetze finden. Künstler ist der, der es aushält, allein auf der Welt zu sein. Und der es dann schafft, daraus etwas Verbindliches für die anderen zu schaffen. Das klingt nach Widerspruch, ist es aber nicht, man denke an den Galtonschen Zufallsapparat. Der kann ihn sogar vorausbestimmen.

Wer oder was sorgt für Sicherheit?

KT: Oft nur das Prinzip der Verdrängung.
JE: Sicherheit ist immer eine Illusion, alles Leben ist brüchig. An sich aber eine erstaunliche und sicher notwendige Fantasieleistung. Sicherheit ist meist ein soziales Versprechen, eine Gruppenhysterie. Daraus kann leider alles Mögliche werden.

Was gibt es zu gewinnen, wenn man auf Sicherheit verzichtet?

KT: Wir halten es gern mit einer Balance zwischen Risiko und Sicherheit: innerhalb eines guten Netzes kann man dann spontan sein und kühne Sprünge wagen. Das ist auch der Vorteil der Erfahrung, die wie ein Sicherheitsnetz wirkt, solange sie nicht zur Routine wird.

Was waren Ihre entscheidenden Begegnungen mit dem Zufall?
KT: Bei der Wahl von Stoffen wirkt immer der Zufall. Die schönste Geschichte: Nach einem Konzert drückte uns ein unbekannter, älterer Herr einen kleinen Zettel in die Hände, auf dem in krakeligen Buchstaben stand: Idee für Ihre nächste Oper...: Leo Perutz, Nachts unter der Steinernen Brücke. Daraus wurde ein Festival mit 9 abendfüllenden Opern von 9 Komponisten. Ob man das aber Zufall, Talent zum Glück oder Schicksal nennen soll, ist schwer zu entscheiden. Es kommt ja auch darauf an, den richtigen Zufall auszusuchen.
JE: Vielleicht ist das Private entscheidender. Wie begegnet man denn einander? Das ist der entscheidende Zufall. Die Menschen sind Inseln in einem unüberschaubaren Ozean. Dann landet die eine an der anderen an. Und daraus entstehen überhaupt alle Notwendigkeiten. Man verliebt sich immer, auch wenn es im Nachhinein der Eine und Einzige ist.

Was ist das Gegenteil von Sicherheit?
KT: Risiko: es kann auch schiefgehen. So hängt alles davon ab, ob man bereit ist, zu scheitern, ob man das wegstecken kann, dass man sich auch einmal blamiert.
JE: Das Leben.

Wohin geht der nächste Schritt? Wann bricht das Eis?

JE: Welches Eis? Aber stimmt, es ist alles so kurz.