Architektur des Klanges

OHNE FORTSCHRITT KEINE FISCHE ist ein Oktett für sechs Basstuben, eine Kontrabasstuba und eine Countertenorstimme. Das aus den ersten vier Takten der Triosonate in Es-Dur von Johann Sebastian Bach entstandene Werk ist streng architektonisch und symmetrisch gebaut: Unter dem "Dachfenster" des Ostinatos der Singstimme bewegt sich das "konstruktive" Trio der drei Tuben in F, das vom Generalbass der Kontrabasstuba getragen wird. Dieser trägt aber auch das "dekonstruktive" Trio der drei Tuben in Es, das sich durch die Spalten des "konstruktiven" Trios zwängt und dessen strengen Satz zunächst undurchschaubar macht oder zumindest nicht unmittelbar erkennen lässt. Während der 36 Ostinatodurchgänge der Passacaglia wird diese Konstruktion mehr und mehr auf ihre Zentralachsen reduziert, bis nur mehr die reine "Idee" im Raum schwebt, dann fügt sich alles wieder zusammen. Der so erfahrenen Vielschichtigkeit kann man sich nicht mehr entziehen, man ist plötzlich imstande, sich zwischen den beiden entstandenen Klangtürmen zu bewegen, wie ein Fisch unter Wasser. Fortschritt tut not.
Dieses Oktett ist geschrieben auf einen Schlaufen-Text von Kristine Tornquist und speziell für überakustische Situationen wie den grossen Wasserkessel im Wasserturm am Wienerberg konzipiert, wo es uraufgeführt wurde.

Jury Everhartz