Kurier, 27. September 2000, Peter Jarolin

Wo der Kopf den Teufel am Schwanz packt.

Künstlerhaus / Oper. Ein schäbiges Hotel im Nirgendwo: Zwei Gäste stören den Wirt, dessen Vater und Sohn beim Kartenspiel, verschaffen dem Stubenmädchen viel Arbeit. Der Kopf und der Körper - zwei eigenständige Wesen, die dem Akt der Vereinigung huldigen. Allein, ein echter Körper kann nicht lesen und der Kopf mag grosse Schwänze gar nicht. Doch der sogenannte "automatische Teufel" tritt bald auf den Plan. Es ist ein sehr surrealistisches "kammermusikalisches Dilemma", in das Jury Everhartz und Daniel Pabst die Zuhörer im Künstlerhaus entführen. Der Widerstreit von Kopf und Körper, von Denken und Fühlen, von Frau und Mann ist das Thema des von Kristine Tornquist präzise inszenierten Musiktheaters. Geschickt spielt das Komponistenduo Jury Everhartz und Daniel Pabst mit Formen, stellt jazzige Elemente neben fast "klassische" Arien. Das Libretto von Dora Lux konfrontiert die Philosophie mit einer ganz banalen Rahmenhandlung, erdet damit den Schrecken. Komik und Tragik bitten zum Paarungstanz von Kopf und Körper, der in dem Sopran von Gerlinde Illich (Kopf) und dem Tenor von Bernd Fröhlich (Körper) zwei spielfreudige Sänger findet. Ordentlich alle Nebenfiguren; gut aber die von Bernhard Ott koordinierten Musiker. Die Vereinigung der Extreme - sie ist noch nicht abgeschlossen.

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