Bagdad zwischen Blitzkrieg und Reichskanzlei

Die Geschichte des „Thief of Bagdad“ ist mehrmals verfilmt worden. Wegen seiner üppigen Ausstattung und der atemberaubenden Tricks ist vor allem die Version von Alexander Korda (1940) in die Filmgeschichte eingegangen. Der Streifen begeistert aber nicht nur das damalige Publikum, sondern weckt auch das besondere Interesse von Joseph Goebbels. Nach einer privaten Sichtung gibt der nationalsozialistische Propagandaminister ein deutsches Pendant in Auftrag, dass das Vorbild an Buntheit und Phantastik überbieten soll. Drei Jahre später, pünktlich zur Deklaration des totalen Kriegs, läuft die deutsche Film-Wunderwaffe in den Kinos an. Held ist ebenfalls ein Geschichtenerzähler – allerdings ohne Turban und mit blitzblauen Augen: als direkte Referenz zum Dieb von Bagdad landet Hans Albers als Lügenbaron auf einer Kanonenkugel im Harem des Sultans von Konstantinopel.
Wie auch „Thief of Bagdad“ gibt sich „Münchhausen“ bewusst unpolitisch. Der Orient erscheint darin als ahistorisches Schlaraffenland, in dem sich die Tische biegen und halbnackte Mädchen dem süßen Nichtstun frönen. Im Kontrast zu der bestialischen Wirklichkeit des gleichzeitig tobenden Krieges erscheinen die im Film verpackten Wunschbilder überdeutlich und entlarven das klischierte Bild des Orients einmal mehr als westliche Projektion. Worin ähneln sich die beiden Streifen und was unterscheidet sie? Welche Bilder des Morgenlandes werden weiter tradiert und welche neu erfunden?

Martin Reinhart