Finbuzz, Spletnik, 29. November 2015

Die Oper Chodorkowski


Das Sensationellste passierte am vergangenen Freitag noch vor Uraufführung der Oper Chodorkowski durch das sirene Operntheater in Wien.
Die Oper kam nicht nur durch die Titelfigur, sondern auch durch die anderen beteiligten Personen als Sensation daher. Sie heißt Chodorkowski, und die anderen Helden sind neben Michail Borissowitsch auch Wladimir Putin, Igor Sechin, Leonid Newzlin, Alexej Pitschugin, Wladimir Petuchow und Roman Abramowitsch. Und das russische Volk in der Person von Iwan Iwanowitsch und seiner Frau Natascha sitzt während beinahe der ganzen Aktion auf dem Sofa vor einem roten Teppich. In diesem Teppich, in dem das russische Volk sein Kostbarstes aufbewahrt, ist eine Nische: darin eine Lenin-Büste und eine Flasche Wodka. Und über all diesen Reichtum wurde ein Porträt des Präsidenten genagelt, das das russische Volk entweder abreißt oder wieder festnagelt.
Wir gingen mit Beklemmung zur Premiere: Es war beängstigend, sich die Auftrittsarie Chodorkowskis und das Rezitativ über das Spinnen von Intrigen hoher Beamter vorzustellen. Schon der Beginn der Aufführung hat dann alle Befürchtungen bestätigt. Bereits im Foyer wurden wir von traurigen, ausgestopften Köpfen russischer Bären begrüßt, in der Mitte eines riesigen Saals (einer ehemaligen Bäckerei im Jugendstil) stand eine riesige Matroschka-Puppe mit Jelzins Gesicht. Anstelle eines Prologs sprang ein Schauspieler im Bärenfell zum Publikum und fing an, wie eine Stripperin aus einem Kuchen herauszukriechen - im Endeffekt blieb er in seinem normalen Anzug und wurde vom Publikum beklatscht.
Jedes nur denkbare Klischee über Russland wurde breitgetreten. Auch die Pfannkuchen wurden nicht vergessen: Bereits im Finale erklärt Mikhail Chodorkowski (Clemens Kölbl) Newzlin, der den Goldregen in die Koffer stopft, warum er das Land nicht verlassen wolle. Und er sagt: „Hier sind meine Eltern, meine Familie. Ich liebe die Heimat. Ich liebe die russische Sprache. Ich liebe Pfannkuchen."
Immer ist im Hintergrund das Essen, wenn nicht Pfannkuchen, dann Brötchen, wenn Mikhail Chodorkowski seine Geschichte enthüllt. Er sitzt mit seiner Mutter an einem Tisch und erzählt seine Kinderträume: erst seine eigene Bank eröffnen, dann Yukos gründen, dann in die Politik gehen.
Putin taucht plötzlich auf: In einem anderen Teil der Szene schnappt sich ein Polizist ein rotes Telefon an einem Posten und ruft:
- Angriff! Alarm! Wir müssen Oberstleutnant Putin anrufen!
Und Oberstleutnant Putin (Alexander Mayr) springt auf die Szene und verhaftet sofort einen Eindringling.
So treten unsere Helden in ein neues Leben ein. Die Geschichte einer langen Konfrontation. Und das Bild dieser Konfrontation wird lustig überzeichnet und absichtlich lächerlich gemacht. Zum Beispiel diskutieren Sechin und Putin den Zusammenbruch des Landes, wobei sie sich synchron ihre Hosen anziehen: was sie vorher so eilig ohne sie taten, wird auf der Bühne nicht verraten.
Der russische Bauer Iwan Iwanowitsch, der irgendwie einem Zigeuner ähnelt, beschuldigt Lenins Büste, ihn nicht gehört zu haben.
Die schwarze PR der Oligarchen gegen die wachsende Stärke der Kommunisten stellt sich wie folgt dar: Zeitungen werden im Volk verteilt. Das Volk glaubt, was es liest und ärgert sich mit dem Rezitativ: „Es stellt sich heraus, dass die Kommunisten Schwule sind! Nein, lasst uns nicht für Schwuchteln stimmen!“
Hier wird sogar der Mord an Petukhov seltsam dargestellt: als sie mit ihrem Sohn darüber spricht, dass Petukhov mit seinen Enthüllungen eine Bedrohung für Yukos darstellen könnte, nimmt Chodorkowskis Mutter eine Pistole heraus und schießt in die Luft. Und einige Zeit später töten Chodorkowkskis Arbeiter Petukhov und überbringen Chodorkowski diese Nachricht zum 35. Geburtstag als Geschenk. Das heißt, der ehemalige Oligarch ist in der Oper kein unschuldiger Held. Und seine Opposition gegen Putin ist die Opposition auch ähnlicher Menschen, die für die Macht kämpfen und deren Ansichten über die Zukunft Russlands auseinandergegangen sind.
Das berühmte Treffen mit Putin wird auch gezeigt, als Chodorkowski begann, das Ausmaß der Korruption aufzudecken, und Putin erinnert sich, dass Yukos ihm nicht unbekannt war und nicht rechtzeitig Steuern zahlte. Danach eilt Chodorkowski mit Arien über die Bühne, die besagen, dass alle rechtlichen Verstöße in der Vergangenheit liegen, er will seine Firma zu Weltgeltung bringen. Es war ein bisschen seltsam, diese opernchöre über Yukos zu hören, über sinkende Gewinne, Korruption, Inflation.
Interessanterweise ist Igor Sechin der Hauptschurke der Oper. Er ist es, der Putin (den dramatischen Tenor) zwingt, alle möglichen unpopulären und antidemokratischen Entscheidungen zu treffen, Politik wie Schach zu spielen (und Putin sagt, es gibt keine Regeln in der Politik, ich setze sie selbst!).
Das Finale ist nicht freundlich. Chodorkowski (Bariton) schiebt das Gitter weg und lässt es zurück. Aber der böse Bass Sechin zwingt Putin, auf eine Gruppe von Bären zu zielen. Und nach den ausgestopften Tieren im Foyer zu urteilen, trafen die Schüsse auf die Symbole Russlands das Ziel.
Das Publikum - es saßen ungefähr 150 Personen auf Stühlen in mehreren Reihen - applaudierte, einige riefen sogar „Bravo!“. Es besteht jedoch der begründete Verdacht, dass ein beträchtlicher Teil des Publikums aus Verwandten und Freunden der Gruppenmitglieder bestand. Zumindest war keiner der russischen VIPs bei der Premiere zu sehen. Chodorkowski selbst, zu dem die Einladung geschickt wurde, weigerte sich zu kommen und führte Ausreden an.
Nach dem Auftritt fragte ich den Komponisten Periklis Liakakis, warum Putin eine Tenor- und Sechin eine Baßstimme habe. "Wir wollten nicht alltäglich sein!", sagte der Komponist. Und er war bescheiden. Sie können der Produktion in keiner Weise also Banalität vorwerfen.
Während der Pause gelang es mir, mit der Leiterin des sirene Operntheaters, Kristine Tornquist, zu sprechen.
- Sag mir, warum hast du beschlossen, eine Oper über Chodorkowski zu inszenieren? Was hat dich getrieben?
- Ich war beeindruckt von seinem Foto, auf dem er hinter Gittern lächelt. Ich habe viel Mut darin gesehen. Ich fing an, seine Briefe aus dem Gefängnis zu lesen, seine Bücher. Ich wollte für Opernhelden ungewöhnliche Qualitäten zeigen: eine ständige Demonstration von Stärke, einschließlich diplomatischer Stärke. Und auch ein großer Konflikt zwischen Geld und Macht.
Ich interessiere mich allgemein für dieses Thema, und Chodorkowski ist nur die erste Oper in der ganzen Reihe Politik und Macht, dann wird es andere Länder und andere Charaktere geben.
- Was denn?
- Das kann ich noch nicht sagen.
- Hattest Du einen russischen Berater? Woher weisst Du von den Hintergründen?
- Leider gab es keinen Berater. Die Geschichte wurde 2013 geschrieben, und ich war mir nicht sicher, ob Chodorkowski überhaupt lebend herauskommen würde. Es schien mir, dass er niemals nach Hause zurückkehren würde. Deshalb habe ich die Produktion aufgenommen.
Ich kenne die russische Sprache nicht und musste im Grunde alles von der amerikanischen und der englischsprachigen Presse lernen, weil weniger darüber auf Deutsch geschrieben ist.
- Und wer hat euch finanziert?
- Unsere Operngruppe erhält seit vier Jahren Zuschüsse von Stadt und Land. Wir sind von niemandem abhängig. Es gab kein Geld von Chodorkowski, wenn Sie das interessiert.
- Nun, das ist nicht überraschend. Auch er ist kein guter Held.
- Ja, ich kann nicht sagen, dass Chodorkowski für mich ein reiner Held ist und Putin für mich kein reiner Antiheld. Ich versuche fair zu sein und die heutige Zeit zu beschreiben. Hier gibt es keine wirklich schlechten Helden, sie entwickeln sich, ihre Charaktere ändern sich, das Drama kann nicht schwarz oder weiß sein.
... Nach dem Stand der Dinge wird diese Produktion, eine Meisterleistung, noch sechs Mal gezeigt, ihr weiteres Schicksal ist ungewiss.
- Haben Sie vor, es in Russland zu zeigen?
- Das ist wahrscheinlich gefährlich! - sagt Kristine.
Ja, das ist gefährlich. Sie werden lachen.

Quelle: finbuzz.ru
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В венском оперном театре «Сирена» в минувшую пятницу состоялась премьера нашумевшей еще до показа оперы «Ходорковский».
Опера нашумела не только своим названием, но и действующими лицами. Называется она «Ходорковский», а героями стали, кроме самого Михаила Борисовича, Владимир Путин, Игорь Сечин, Леонид Невзлин, Алексей Пичугин, Владимир Петухов, Роман Абрамович. И русский народ в лице Ивана Ивановича и жены его Наташи, почти все действие сидящих на диване на фоне красного ковра. В ковре сделана ниша, где русский народ хранит самое дорогое: бюстик Ленина и бутылку водки. А над всем этим богатством прибит портрет президента, который русский народ то отдирает, то снова приколачивает.
На премьеру мы шли с трепетом: страшно было представить выходную арию Ходорковского и речитативом плетущих интриги высоких чиновников. И начало спектакля эти страхи подогрело. Уже в фойе нас встречали развешанные на колоннах грустные чучельные головы русских медведей, посреди огромного зала (бывшего хлебозавода в стиле модерн) валялась огромная матрешка с лицом Ельцина. Вместо пролога к зрителям выскочил актер в медвежьей шкуре и стал вылезать из нее, как стриптизерша из торта, — в итоге остался в обычном костюме и ушел под аплодисменты зала.
Все до единого штампы о России пошли в ход. Даже блины не были забыты: уже в финале Михаил Ходорковский (Clemens Kolbt) объясняет напихавшему золотого дождя в чемоданы Невзлину, почему не хочет уезжать из страны. И говорит: «Здесь мои родители, моя семья. Я люблю родину. Люблю русский язык. Люблю блины…»
Собственно, на фоне поедания если не блинов, то плюшек и происходят главные откровения Михаила Ходорковского. Он сидит за столом с мамой и поверяет ей свои заветные мечты: сначала открыть свой банк, затем — заняться ЮКОСом, потом — пойти в политику.
Путин появляется на сцене внезапно: в другой части сцены милиционер хватает красный телефон на столбе и кричит:
— Нападение! Тревога! Надо вызывать подполковника Путина!
И на сцену выскакивает подполковник Путин (Alexander Mayr), тут же скручивая какого-то нарушителя…
Так наши герои вступают в новую жизнь. И в длительное противостояние. В изображении этого противостояния будет много смешного и нарочито нелепого. Например, Сечин и Путин обсуждают распад страны в процессе синхронного надевания брюк: откуда они примчались без них, в пьесе умалчивается.
Русский мужик Иван Иванович, похожий почему-то на цыгана, будет обвинять бюстик Ленина в том, что тот его не слышит.
Черный пиар олигархов против растущей силы коммунистов представлен так: народу раздают газеты, те в них утыкаются и возмущаются речитативом: «Оказывается, коммунисты — педики! Нет, за педиков голосовать не пойдем!»
Здесь даже убийство Петухова изображено странновато: беседуя с сыном о том, что Петухов с его разоблачениями представляет для ЮКОСа угрозу, мама Ходорковского достает пистолетик и стреляет в воздух. А через какое-то время Петухова убивают, преподнеся эту новость Ходорковскому на 35-летие как подарок. То есть бывший олигарх в опере — не розовый герой. А его противостояние Путину — это противостояние борющихся за власть похожих людей, чьи взгляды на будущее России разошлись.
Показано и знаменитое совещание с участием Путина, когда Ходорковский стал разоблачать уровень коррупции, а Путин вспомнил, что и сам ЮКОС ей не чужд и даже не платит вовремя налоги. После чего Ходорковский будет метаться по сцене с ариями о том, что все нарушения в прошлом, а сейчас он хочет вывести свою компанию на мировой уровень. Немного странновато было слушать производственные оперные песни про ЮКОС, падающую прибыль, коррупцию, инфляцию.
Интересно, что главным злодеем в опере выведен Игорь Сечин. Именно он басом заставляет Путина (драматический тенор) принимать всякие непопулярные и антидемократические решения, относиться к политике как к шахматам (а Путин говорит: в политике нет правил, я сам их устанавливаю!)
Финал не радостный. Ходорковский (баритон) отодвигает решетку и выходит из-за нее. Но злой Сечин заставляет Путина целиться в группу медведей. И судя по выставленным в фойе чучелам, выстрелы в символы России попали в цель.
Зрители — а их на поставленных в несколько рядов стульях было около 150 человек — аплодировали, кое-кто даже крикнул «Браво!» Но есть подозрение, что немалую часть зрителей составляли родные и знакомые участников труппы. По крайней мере, ни один из российских випов на премьере замечен не был. Сам Ходорковский, которому приглашение послали, приехать отказался, сославшись на дела.
После спектакля я спросила композитора Периклиса Лиакакиса, почему Путин у него тенор, а Сечин — бас? «Нам не хотелось быть банальными!» — сказал композитор. И поскромничал. В чем-чем, а в банальности постановку никак не обвинишь.
В антракте удалось поговорить с руководителем оперного театра «Сирена» Кристиной Торнквист.
— Скажите, почему вы решили поставить оперу о Ходорковском? Что вас подтолкнуло?
— Меня впечатлила его фотография, где он улыбается за решеткой. Я увидела в этом много мужества. Стала читать его письма  из тюрьмы, его книги. Хотелось показать необычные для оперных героев качества: постоянную демонстрацию силы, в том числе и силы дипломатической. А также большую коллизию между деньгами и властью.
Меня вообще интересует эта тема, и «Ходорковский» — лишь первая опера в целой серии «Политика и власть»,  дальше будут другие страны и другие персонажи.
— Какие?
— Ну, пока я не могу сказать…
— А был ли у вас русский консультант? Где вы брали фактуру?
— Консультанта, к сожалению,не было. История написана в 2013 году,  и я не была уверена, что Ходорковский  вообще оттуда живым выйдет. Мне казалось, что он никогда не вернется домой. Поэтому я и взялась за постановку.
Я не знаю русского языка, и в основном  все приходилось узнавать из американской и англоязычной прессы, потому что в немецкой об этом пишут меньше.
— А кто вас финансировал?
— Наша оперная группа уже четыре года получает дотации от страны и города. Мы ни от кого не зависим. От Ходорковского никаких денег не было, если вас это интересует.
— Ну, это не удивительно. Он у вас тоже не положительный герой…
— Да, я не могу сказать, что для меня Ходорковский — чистый герой, и Путин для меня — не чистый антигерой. Я стараюсь быть справедливой, фиксируя сегодняшнее время. Здесь нет совсем плохих героев, они развиваются, их характеры меняются,  драма не может быть черной или белой…
… Пока этот спектакль должен быть показан еще шесть раз, а дальнейшая судьба его не известна.
— А в России не планируете его показать? — спросили мы с коллегами.
— Это, наверное, опасно! — сказала Кристина.
Да, опасно. Засмеют.

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