Zwischen Tier und Gott

Zwei grosse Themen, die im Epos verhandelt und verbunden werden, machen den Gilgamesch zu einem ewig aktuellen, universellen Stoff. Einerseits wird der königliche Held mit seiner eigenen Sterblichkeit konfrontiert und muss einen Weg finden, angesichts des Todes dennoch ein fruchtbares und verantwortungsvolles Leben zu führen. Andererseits wird die Position des Menschen zwischen seinem natürlichen Ursprung und seiner stolzen Bestimmung, der Göttlichkeit, gesucht. Durch die Zivilisation, gewissermassen seine Menschwerdung, verliert der Tiermensch Enkidu - heimlicher Held des Stückes - seine Natur, am Totenbett beklagt er, den animalischen Frieden verloren zu haben. Gilgamesch hingegen, der ungestüme Selbstverwirklicher, will seine menschliche Sterblichkeit nicht akzeptieren. Er will Übermensch und Gott werden, um unsterblich zu sein.
Der Konflikt Götter, Halbgott und Naturmensch ist zeitlos spannend. Die erhabene und unsterbliche Vision, die Gilgamesch in den Götterfiguren (die er ablehnt) von sich hat, und sein reales geliebtes Spiegelbild, der wund und hilflos sterbende Enkidu, sind Gilgamesch weiter Wüsteninnenraum, in dem er suchend irrt: wer ist er selbst, der stolze Mensch.
Das Wechselspiel von Mut und Angst, von Tollkühnheit und Vorsicht, von Brutalität und Verstand, das zwischen den beiden Freunden aufgeteilt ist und auchzwischen ihnen wechselt, ist vielleicht ein wesentlicher Punkt in der Geschichte. Die Natur (Enkidu), die ihre Grenzen kennt, gegen die Grenzenlosigkeit und Rücksichtslosigkeit des menschlichen Willens (Gilgamesch). Wer zugrunde geht daran, ist die Natur. Doch das Zugrundegehen der Natur kränkt den Willen, der sein Spielzeug verliert, der in seiner Allmacht verletzt wird.
Gilgameschs Heldentaten sind in historischer Übersetzung interessant: So könnte Humbaba der wilde Elefant sein, der die libanesischen Wälder bewohnte und zu Gilgameschs Lebzeiten ausgerottet wurde, so wie der Wald zur selben Zeit abgeholzt. Für den Stier habe ich noch kein Bild, aber es könnte ein Unwetter sein, ein Erdbeben oder ähnlich Gewaltiges.
Gilgamesch war kein Held, sondern ein König. Wieviel Ungerechtigkeit bei der Auswahl eines Königs aus seinem Volk auch wirkt, die Gerechtigkeit verteilt den Tod gleichmässig und lässt auch einen König den Tod erleben. Der König stirbt denselben Tod wie sein Pferdeknecht und er fürchtet denselben Tod wie sein Opfer. Dass Gilgamesch unsterblich wurde, liegt daran, dass er, stolz wie nur ein König sein kann, den Tod nicht anerkennen wollte.
Der Tod ist der Baum der Erkenntnis, ein giftiger Apfel und eine Schlange.
Gilgameschs Heldentaten sind in historischer Übersetzung interessant: So könnte Humbaba der wilde Elefant sein, der die libanesischen Wälder bewohnte und zu Gilgameschs Lebzeiten ausgerottet wurde, so wie der Wald zur selben Zeit abgeholzt. Für den Stier habe ich noch kein Bild, aber es könnte ein Unwetter sein, ein Erdbeben oder ähnlich Gewaltiges.
Das Wechselspiel von Mut und Angst, von Tollkühnheit und Vorsicht, von Brutalität und Verstand, das zwischen den beiden Freunden aufgeteilt ist und auchzwischen ihnen wechselt, ist vielleicht ein wesentlicher Punkt in der Geschichte. Die Natur (Enkidu), die ihre Grenzen kennt, gegen die Grenzenlosigkeit und Rücksichtslosigkeit des menschlichen Willens (Gilgamesch). Wer zugrunde geht daran, ist die Natur. Doch das Zugrundegehen der Natur kränkt den Willen, der sein Spielzeug verliert, der in seiner Allmacht verletzt wird.
Auch der Konflikt Götter, Halbgott und Naturmensch ist zeitlos spannend. Die erhabene und unsterbliche Vision, die Gilgamesch in den Götterfiguren (die er ablehnt) von sich hat, und sein reales geliebtes Spiegelbild, der wund und hilflos sterbende Enkidu, sind Gilgamesch weiter Wüsteninnenraum, in dem er suchend irrt: wer ist er selbst, der stolze Mensch.

Kristine Tornquist