Der Standard, 28. September 2000, Stefan Ender

Uraufführung von "Der automatische Teufel" im Künstlerhaus.

Es fällt schwer zu behaupten, dass es die Grundidee war, die nicht getragen hätte. Nicht ohne Reiz auch der Einfall, diese Dualität auf dem Gebiet der Komposition widerzuspiegeln und die Einheit Werk gleich von zwei Tonschöpfern gestalten zu lassen. Nur: der Weg von einem stichhaltigen künstlerischen Konzept zu dessen überzeugender Umsetzung ist halt ein weiter und gefahrenvoller; an dieses Faktum wurde man bei der Uraufführung des Automatischen Teufels im Künstlerhaus erinnert. Zur Handlung: Kopf und Körper treffen in den Gängen eines heruntergekommenen Beherbergungsbetriebes aufeinander, versuchen wiederholt, zueinander zu finden, scheitern aber letztendlich. Kommentiert wird das slapstickhafte Geschehen von einer dreifaltigen Wirtsfamilie (mittendrin gottgleich Santo Spirito-Urvater Günter Rupp als grandiose Karikatur seiner selbst) und einem Stubenmädchen (freundlich-bestimmt Julia Höfler). "Das musikalische Dilemma", so der Untertitel dieses neuen Werkes, begann damit, daß sich das Komponistenduo Jury Everhartz und Daniel Pabst so sehr beschränkte: Die Festlegung auf ein metrisch fixiertes Zwölftonsystem sowie auf ein klanglch eher limitiertes Instrumentalensemble trug nicht gerade zur Vielfarbigkeit der Aufführungen bei - wie auch die eher mäßige Spielfreude der sechs Musiker (unter der Leitung von Bernhard Ott). Der "Körper" in Gestalt von Bernd Fröhlich war eher ein Körperchen, auf Geheiß von Regisseurin Kristine Tornquist musste der Arme eine Stunde lang wie ein Mini-Tarzan durch die Gegend hüpfen und "aaooo"en (Libretto Dora Lux) Das hätte er mit dieser schönen Stimme nicht nötig gehabt. Um einiges gelungener dann schon die "Kopf"-Partie: Gerlinde gab eine an die junge Maggie Smith gemahnende, zickige Gouvernante (sehr nett und disneyhaft eingekleidet von Susanne Matsché) und legitimierte so geschickt das herrlich Spröde, Durchdringende ihres Soprans.

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