Zur Inszenierung

Meine Erfahrung mit Kurzstücken - Dramoletten und Prosaminiaturen - beim Sprechtheaterprojekt Theater am Sofa hat mir gezeigt, dass die Miniatur nach einer besonderen Form der Dramatisierung verlangt. Der dramaturgischen Leichtigkeit muss eine der Szene entsprechen: wie die Miniatur im europäischen Verständnis zwar eine Verdichtung, aber vor allem eine generöse Abkürzung darstellt und damit Konventionen als bekannt und damit vernachlässigbar voraussetzt und ein intellektuelles Spiel mit der großen dramatischen Form eröffnet, so muß die Inszenierung folgen und das heißt: intellektuell anspruchsvoll, wendig, formal komplex sein, ohne sich mit emotionaler Tiefe beschäftigen zu können. Weniger hermetisch als die grosse Form kann die Miniatur sich schnell dem Publikum öffnen, kann mit allen widersprüchlichen Mitteln gleichzeitig spielen, unvermittelt die Methode wechseln - der ganze Grundbaukasten des Regisseurs steht offen. Das hat seine Auswirkungen auch auf das Bühnenbild, das wie die Text- und Musikminiatur ebenso von Andeutung, Leichtigkeit und Raffinesse lebt, eben auch der Abkürzung Genüge tut. Um jedem Stück trotzdem seine eigene Form zu geben und durch Szenenwechsel Zäsuren zu setzen, werden Walter Vogelweider und Julia Libiseller eine sehr bewegliche, sich ständig verwandelnde Bühne bzw. Kostüme entwickeln, deren Wechsel und Umbau Teil der Inszenierung sind.

Kristine Tornquist