Eine wahre Geschichte

Anna Maria von Mohrenheims wahre, abenteuerliche Lebensgeschichte beginnt am Schwarzen Meer mit dem Pesttod der Eltern. Sie ist in einem Alter, in dem sie weder weiss, wo sie lebt, noch wie alt sie ist oder welchem Volk oder welcher Religion sie angehört. Sie wird verschleppt und auf einem Schiff nach Constantinopel gebracht, wo sie als Sklavin teuer an einen wohlhabenden Kaufmann verschachert wird. Zwar wird sie gut behandelt, doch der Sohn des Hauses entwickelt sich für das heranwachsende Mädchen zum Problem. Es gelingt ihr, sich in das Kloster der Trinitarier zu flüchten, die gemäss der Satzung ihres Ordens Sklaven in der Türkei freikaufen. Ein türkischer Richter entscheidet nach einigen Turbulenzen sie freizulassen, die Patres zahlen das Lösegeld und nehmen sie nach Wien mit. Dort werden solcherart freigekaufte Sklaven in einem festlichen Umzug durch Wien geführt, vom Volk mit Geldgeschenken und Jubel begrüsst und in der Hofburg im Beisein der Kaiserin festlich bewirtet. Anna Maria, die
jüngste Befreite, gefällt Maria Theresia so gut, dass sie das „Türkenkind“ adoptiert, sie Anna Maria Regina taufen lässt, ihr eine Apanage aussetzt und lebenslang Kontakt hält. Anna Maria heiratet wenige Jahre später Johann Mohrenheim, der wie sie aus Constantinopel stammt und als Botschafter der Kaiserin weite Reisen ins Osmanische Reich und nach Rom unternimmt. Anna Maria stirbt 1803 als geachtete Frau und Mutter von vier Kindern. In heutigen Worten ist Anna Maria ein Flüchtling, eine Immigrantin und ein Beispiel optimaler Integration. Nach wie vor sind die Gründe für Migration Katastrophen, Kriege, Lebensgefahr in Diktaturen und Armut - und damit ist Asyl eine
Frage des Überlebens und der Würde, muss ein Menschenrecht sein.
Anders als es heutigen Immigranten in Österreich ergeht, wurde Anna Maria mit Grossherzigkeit, Freude und Offenheit aufgenommen.

Kristine Tornquist