Chronologie Russland

1991. Die Ära Michail Gorbatschows (1985 – 1991), Zeit der Modernisierung der sozialistischen Planwirtschaft, bekannt als Perestroika und Glasnost (Umbau und Transparenz) endet, als Gorbatschow am 25. Dezember 1991 als Präsident der Sowjetrepublik zurücktritt. Nach dem Augustputsch Auflösung der Sowjetunion, durch Unabhängigkeitserklärungen aller Unionsrepubliken, und ihre Ablösung durch die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (G.U.S.). Offizielle Bezeichnung des neuen Russlands: Russische Föderation. Boris Jelzin (zuvor Präsident der RSFSR) wird zum Präsidenten der Russischen Föderation gewählt. Russland übernimmt Ende 1991 die wichtigsten Institutionen der UdSSR (Armee, Geheimdienst, Ministerien) und erhebt Anspruch auf deren Rechtsnachfolge. Große Erwartungen und Hoffnungen der Bevölkerung auf Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und Marktwirtschaft. Auch großes persönliches Engagement Vieler.

1992. Wirtschaftliche und politische Liberalisierung. Die Schocktherapie der Regierung Gajdar verstärkt aber die sozialen Spannungen. Rationalisierung aller Güter, 148 Mio. Privatisierungsschecks (Voucher) zum Nominalwert von 10.000 Rubel werden an die Bevölkerung verteilt. Die Ausgabe wird Ende Januar 1993 abgeschlossen.

Oktober 1993. Die Auseinandersetzungen von Präsident und Regierung mit dem noch zu Sowjetzeiten gewählten Parlament kulminierten im Herbst 1993 in einem Staatsstreich Jelzins, der den Obersten Sowjet auflöst. Am 4.10. wird das "Weiße Haus", der Sitz des Parlaments, beschossen und gestürmt.

1994. Regelung der Autonomiebestrebungen von Tatarstan, Tuwa und Sacha-Jakutien in bilateralen Föderationsverträgen. Nur mit Tschetschenien wird kein Ausgleich erzielt. Ca. 70 % aller großen und mittleren und 80 % der Kleinunternehmen sind privatisiert.

Dezember 1994. Einmarsch russischer Truppen in Tschetschenien

Juni 1995. Tschetschenische Guerillakämpfer unter Basajew besetzen Teile des Ortes Budjonnowsk, Region Stawropol, und nehmen ca. 1.000 Geiseln.

Juli 1996. Jelzin wird zum zweiten Mal Präsident.

1998.
Wendung zu autoritärerem Kurs mit mehr Populismus und Nationalismus in Innen- und Außenpolitik. Finanzskandale, eine schwere Finanzkrise – „default“- im Sommer 1998 und Intrigen der sogenannten Oligarchen.

1999. Russische Fallschirmjäger besetzen Flughafen in Kosovo, Russland bekommt Kredit über 4,5 Mrd. US-Dollar vom IWF.

1999/2000.
Politische Neuorientierung im Schatten des zweiten Tschetschenienkrieges durch Machtübergabe von Jelzin am Neujahrstag 2000 an den KGB-Offizier und Ministerpräsidenten (ab 1999) Wladimir Putin.

Jänner 2000. Putin gewährt Jelzin Straffreiheit, und nimmt Umbesetzungen in der Präsidialverwaltung vor. Woloschin wird als Leiter der Administration bestätigt, erhält aber mit Dmitrij Medwedew und Igor Setschin zwei neue Stellvertreter. Putin wird Vorsitzender des Rats der GUS Staatsoberhäupter.

März 2000. Vorgezogene Präsidentschaftswahl gewinnt Putin mit 52%.

Juni 2000.
Wladimir Gusinskij, der Eigentümer des größten unabhängigen Pressehauses Mediamost wird des Betrugs beschuldigt und geht ins Exil, im Oktober auch Medienmilliardär Beresowski. 17 russische Geschäftsleute wenden sich in einem Brief an Putin und protestieren gegen Gusinskijs Verhaftung (u.a. Chodorkowski).

Oktober 2002. Tschetschenische Rebellen nehmen in einem Theater in Moskau rund 800 Menschen als Geiseln. Bei der Befreiungsaktion werden 129 Geiseln getötet, fast alle durch ein von den russischen Sicherheitskräften eingesetztes Nervengas.

Februar 2004. Putin entlässt seinen Regierungschef Michail Kasjanow, der als letzter Vertrauter der Boris Jelzin (zuvor Präsident der RSFSR)wird zum Präsidenten der Russischen Föderation gewählt. Russland übernimmt Ende 1991 die wichtigsten Institutionen der UdSSR (Armee, Geheimdienst, Ministerien) und erhebt Anspruch auf deren Rechtsnachfolge.Große Erwartungen und Hoffnungen der Bevölkerung auf Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und Marktwirtschaft. Auch großes persönliches Engagement Vieler.

März 2004. Wiederwahl von Putin mit 71,2% mit der Partei „Einiges Russland“. Putin führt einen autoritären Kurs der „gelenkten Demokratie“ ein.

2004. Im Juli tauscht Putin eine Reihe hoher Militärs aus. Breiteste Unterstützung findet Putins Politik der strengen Hand gegen Chaos und ausländische Abhängigkeit, für nationalen Stolz und Stärke, Rezentralisierung der Föderation, Re-Verstaatlichung wirtschaftlicher Konzerne, Zurückdrängen der politischen Einmischung von Oligarchen.

Mai 2008. „Macht-Rochade“ 2008-2012: Putin wird Premierminister und der im Prinzip liberalere, jedoch ambitionslose Dmitrij Medwedew dritter Präsident.

Februar 2010. Präsident Dmitrij Medwedew gratuliert dem neugewählten Präsidenten der Ukraine, Viktor Janukowitsch, und lädt ihn zu einem Besuch in Moskau ein. Das russische Verfassungsgericht entscheidet, dass Urteile des Europäischen Menschengerichtshofes (EMGH) in Zivilsachen für russische Gerichte verbindlich sind

2011. Demonstrationen für das Recht auf Versammlungsfreiheit

März 2012. Dritte Amtszeit von Putin als Präsident (63,6% Zustimmung). Massenkundgebungen und Demonstrationen gegen Putin. Putins autoritärer Stil wird von immer mehr Menschen als nicht zeitadäquat gesehen. Die Aktionen gegen die Frauenband Pussy Riot, die Gesetze gegen NGOs („ausländische Agenten“), Homosexuelle und Gotteslästerer werden zwar von der Mehrheit akzeptiert, jedoch weltweit verurteilt.

August 2013. Russland gewährt Asyl für Edward Snowden, Chodorkowski wird freigelassen.

2014.
Olympische Spiele in Sotschi. Russland interveniert auf der Krim und übernimmt die Kontrolle auf der ukrainischen Halbinsel. Daraufhin Sanktionen aus dem Westen.

Rebecca Lederhilger. Franz Kumpl