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Die Kulturwoche, 25.6.2009 - Katja Kramp

Der Maler Brabanzio - Die Premierenkritik

Jedes Wochenende wird die Expedithalle der ehemaligen Ankerbrotfabrik zu einer der aufregendsten und experimentellsten Opernbühnen in Wien. Dieses Wochenende wurde die Kurzgeschichte "Der Maler Brabanzio" aus Leo Perutz' "Nachts unter der steinernen Brücke" gekonnt in Szene gesetzt.
Der Maler Brabanzio lebt von der Hand in den Mund bei einer Flickschneiderin und möchte eigentlich nur eines: Malen. Kaiser Rudolf II. ist ein besessener Kunstsammler. Ihm kommt zu Ohren, dass ein sehr begabter Künstler bei der Flickschneiderin wohnt. Der Kaiser verkleidet sich als armer Schreiber und macht sich auf, um den Maler zu besuchen. Er möchte ihm etwas abkaufen. Als er bei ihm eintrifft, kommt auch bald der Mordechai Meisl, ein reicher Jude, um dem Maler einen Auftrag für ein Portrait seiner verstorbenen Frau zu geben. Er versucht seine Gattin zu beschreiben, aber alles was der Maler auf die Leinwand bringt, ist nicht realistisch genug. Während die zwei diskutieren, hat der Kaiser eine Vision von seiner Traumgeliebten. Unbemerkt portraitiert er diese, lässt das Bild liegen und verschwindet. Der Mordechai Meisl findet es und erkennt auf dem Portrait seine eigene Frau. Er ist überglücklich und gibt dem verdutzten Brabanzio acht Gulden für sein Werk. Der Maler kann sich zwar nicht erinnern jemals so etwas auf die Leinwand gebracht zu haben, nimmt aber entgegen seiner eigentlichen Prinzipien das Geld und geht nach Venedig. Dort scheitert er. Der Nachwelt ist nur ein einziges Bild von ihm geblieben und der große Künstler Brabanzio in Vergessenheit geraten.
Die Oper beginnt mit feinen, zarten Klängen. Dagegen hebt sich die schöne Bassklarinette ab. Es ist eine träumerische Melodie, die Esther, die Frau von Mordechai Meisl, auf der Bühne begleitet. Gut dramatisiert ist die Tatsache, dass Esther einerseits die verstorbene Ehefrau des Meisls ist und andererseits genauso aussieht wie die Traumgeliebte des Kaisers. Auf der Bühne ist sie die Erscheinung, die meist den Meisl umgibt, ihre Bewegungen korrespondieren jedoch teils mit denen des Kaisers. Am Ende liegt der Mordechai Meisl mit der Wange am Abbild seiner Frau schlafend im Bett. Die Kostüme sind eine Freude für sich. Besonders hervorzuheben ist die geniale Bekleidung der Schneiderin. Komplett in Flicken gehüllt und mit Fäden behangen, trippelt sie ins Bühnenbild. Der Maler hingegen wirkt mit seinem kunterbunten Gewand wie ein Opportunist, denn dieser Künstler nimmt nur ehrliches Geld für seine Werke und portraitiert am Liebsten die Menschen der ärmeren Klientel.
Komponist Lukas Haselböck stand vor Beginn der Oper im Gespräch mit Musikwissenschaftler Erwin Barta noch Rede und Antwort. Den Reiz am Stück machten für ihn die Personenkonstellationen und die verschiedenen zeitlichen Ebenen aus. Der ständige Sprung zwischen Erinnerung und Gegenwart. Immer wieder stand beim Komponieren die Frage im Raum, ob man die Vergangenheit ins Jetzt holen kann. Da Haselböck selbst Gesang studierte, hat er beim Schreiben der Musik darauf geachtet, dass die Sänger keine unmöglichen Passagen zu singen haben. Das merkt man auch beim Zuhören, der Gesang ist sehr harmonisch und wohlklingend. Alles in allem war auch Teil 5 der 9-teiligen Opernreihe von sireneOperntheater in der Premiere am 19. Juni 2009 ein Genuss für Augen und Ohren. Man darf gespannt sein was passiert, wenn die Expedithalle ihr Tor für die nächste Aufführung aus "Nachts unter der steinernen Brücke" öffnet.

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