Beethoven ersetzen
Maestro Arts, 28. Februar 2020, Dirigent George Jackson
Diese Oper ist eine fiktive Darstellung des Lebens von Ludwig van Beethoven, erzählt aus der Sicht seines berühmten Biografen und Sekretärs Anton Schindler. Eines Tages tauchen die Brüder Mälzel, die für die Erfindung des Metronoms bekannt sind, bei Beethoven auf, und gemeinsam diskutieren sie die Idee, den Kompositionsprozess durch Technologie zu unterstützen. Sie wollen „Genia“ erfinden, eine Maschine, die Musik im Stil Beethovens komponiert. Eine Liebesgeschichte kommt durch die Anwesenheit von Elise Barensfeld ins Spiel, die durch „Für Elise“, Beethovens berühmtes Klavierstück, bekannt ist.
Eines der wichtigsten Themen des Werks ist diese Beziehung zwischen Technologie und der Freiheit der Kunst. Es spielt im 19. Jahrhundert, doch die Debatte ist auch in der heutigen Zeit relevant. Es geht um die Frage, ob eine MP3-Datei wichtiger werden kann als Live-Musik (wie es in dem Popsong „Video Killed the Radio Star“ aus dem Jahr 1979 zum Ausdruck kommt). Dies ist eine zentrale Debatte innerhalb der Oper, in der Beethoven für die Freiheit und die Individualität des Musikschaffens eintritt. Ich möchte gerne glauben, dass Kunst, Freiheit und Menschlichkeit über die Technologie triumphieren – ich bin kein Fan davon, an den automatisierten Kassen im Supermarkt zu bezahlen.
Die Oper vermittelt diese Ideen in einer musikalischen Sprache, die auf Zitaten und Anspielungen aus der Musikgeschichte basiert, darunter zahlreiche Bezüge zu Beethoven – mindestens sechs seiner neun Sinfonien werden zitiert. Der Komponist Tscho Theissing hat Beethovens Musik auf ihre einfachsten Formen reduziert, sei es ein rhythmisches Motiv, ein Intervall oder bloß eine Idee. Man erkennt, was für ein Genie Beethoven war, und gleichzeitig, wie einfach sein Kompositionsprozess war, aber auch, wie ausgefeilt und komplex.
All dies wird durch Musikstile wie kubanische Rhythmen und Jazz miteinander verbunden – mit viel Percussion und Synkopen sowie groovigen Tanzsequenzen auf der Bühne. Es ist ein Stil, der sich von den meisten zeitgenössischen Opern des 21. Jahrhunderts unterscheidet. Die musikalische Vielfalt dient dazu, das Drama prägnant zu vermitteln, sodass das Publikum meiner Meinung nach von der Erzählung begeistert sein wird; die Aufführung wird vom fantastischen Wiener Kammerorchester begleitet. Wie bei Berg und Schönberg gibt es viel „Sprechstimme“, bei der der Text halb gesungen, halb gesprochen vorgetragen wird. Wir haben eine fantastische Besetzung junger Sänger, die diese realen historischen Figuren auf ausgereifte Weise interpretieren. Es wird ein großartiger Abend werden.
Oper in zwei Akten (2020)
Musik von Tscho Theissing
Libretto von Kristine Tornquist
Wiener Kammerorchester unter der Leitung von George Jackson
Im Auftrag des Theaters an der Wien in der Kammeroper
Uraufführung: Donnerstag, 5. März 2020, 19 Uhr
Aufführungen: 8., 10., 12., 24., 29., 31. März und 2. April 2020, 19 Uhr




















