Wiener Zeitung, 23.06.2009, Markus Hennerfeind

Der Kaiser erinnert sich. Opern-Uraufführungen im Wochenabstand

Das sirene Operntheater brachte vergangenes Wochenende Lukas Haselböcks "Der Maler Brabanzio", die nächste Produktion der neunteiligen Kammeropern-Reihe "Nachts".
Auf Basis von Leo Perutz’ Roman "Nachts unter der steinernen Brücke" erstellte Kristine Tornquist sämtliche Opernlibretti. Lukas Haselböck schuf die zitatreiche (u. a. Mozarts Geharnischte oder Debussys Faun-Prélude), bunte Partitur für den nunmehr fünften Akt der Geschichten rund um Kaiser Rudolf II. (1552–1612) und dessen legendäre Kunstsammlung.
Der Kaiser (Rupert Bergmann) verkleidet sich als Schreiber und besucht, unerkannt, den Maler Brabanzio (Erik Leidal) in dessen Atelier. Der Kaufmann Mordechai Meisl (Johann Leutgeb) bedrängt Brabanzio, ihm ein Bild seiner verstorbenen Frau nach seiner Beschreibung zu malen. Der kann das nicht, aber der anwesende Kaiser erinnert sich an eine ferne Liebschaft...
Die einfache Geschichte um verlorene Liebe, Bilder und Künstlerleben setzte Kristine Tornquist wirkungsvoll in Szene. Die historisierenden Kostüme (Markus Kuscher) und die spartanische, aber wirkungsvolle Ausstattung (Jakob Scheid) verwandelten für die knappe Stunde die Brotfabrik im 10. Bezirk zur stimmungsvollen Opernbühne.
François-Pierre Descamps leitete untadelig die gute Sängerbesetzung und das hervorragende "ensemble on_line". Die nächsten vier Wochenenden geht das nächtliche Operntreiben weiter. Und: Jeweils begleitend dazu gibt's auch eine Ausstellung zu bewundern.

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