Kronenzeitung - 28. August 2011, AN

Schicksal, Hoffnung und Glück

Schicksal, Hoffnung, Glück: Themen, die sich das sirene Operntheater vorgenommen hat. Entsprechend aufwändig auch die Umsetzung des Projekts "alf laila wa laila": Elf zeitgenössische Kurzopern werden dem Publikum vorgestellt, die sich diesen Themen widmen.
Es sind die Geschichten aus 1001 Nacht, die das Zentrum der Produktionen bilden. Elf Geschichten wurden von unterschiedlichen Komponisten in stilistischer Vielfalt gekonnt vertont und jeweils einem der drei Hauptthemen zugeordnet.
Aufführungsort ist die Expedithalle der früheren Ankerbrotfabrik in der Puchsbaumgasse, ein Ort, der bei hochsommerlicher Lage durchaus orientalische Temperaturen bietet. Wer als Zuhörer die so brütende Hitze im Theatersaal erlebt, schätzt die Arbeit der Sänger gleich doppelt:
In orientalischem Kostüm und Maske zu agieren - das fordert bei diesen Temperaturen einiges an Achtung ein! Noch dazu, wenn die künstlerischen Leistungen überzeugen können: Eine ganze Reihe von Künstlern lässt aufhorchen, unter den Damen etwa Ida Aldrian oder Lisa Rombach. In die Raumtiefe abgeschoben, aber nicht musikalisch im Hintergrund ist das kleine Kammerorchester unter Francois-Pierre Descamps: Da wird präzise gespielt, jeweils die Atmosphäre der Werke gut einfangend, der tiefe Hintersinn orientalischer Symbolik, die wir viel zu wenig kennen, behutsam gedeutet.
Was also bot der erste Abend? Vier der elf Musiktheaterkompositionen wurden aufgeführt: von Paul Koutnik, Robert Wildling, Willi Spuller und Matthias Kranebitter. Reizvoll die Umsetzungen, reizvoll besonders auch das rasche Gegenüberstellen der Zugangsweisen und Stile, reizvoll auch die Versuche, in die Welt dieser Märchen einzudringen und orientalische Weisheiten ohne Fingerzeigen zu verdeutlichen.
Einfach und gerade darum direkt wirksam ist die Inszenierung der Librettistin Kristine Tornquist, die zu den Geschichten verschiedene Zugänge sucht, klug, einfallsreich und tiefsinnig immer die sparsamen Einsätze von Requisiten und Dekorationen.

Andere Kritiken