mica Interview, 26. Juni 2019, Christian Heindl im Gespräch mit Šimon Voseček

„Wiederverwertung ist bei mir mittlerweile die Regel.“


(...) Christian Heindl: Die direkte Folge in Wien war deine nächste Oper „Hybris“ auf ein Libretto von Kristine Tornquist. Diese Produktion des sirene Operntheaters hatte vor mittlerweile auch schon wieder zweieinhalb Jahren an der Wiener Kammeroper Premiere. Wie stehst du zu diesem Werk, nicht zuletzt hinsichtlich dessen Positionierung gegenüber „Biedermann“?
Šimon Voseček: „Hybris“ war eine Fortsetzung des „Biedermann“-Weges und eine Bestätigung für mich. Meines Erachtens ist das meine bislang beste Partitur, allerdings steht eine weitere Aufführung in den Sternen oder eher einfach nicht zur Diskussion.
Christian Heindl: Wobei du aber offenbar aus der Not eine Tugend gemacht hast und das Material für dein Orchesterwerk „Hypnos“ übernommen hast, das im Mai mit der Prager Kammerphilharmonie unter der Leitung von Ben Glassberg beim diesjährigen Festival Prager Frühling im altehrwürdigen Rudolfinum erstmals erklang.
Šimon Voseček: Ja, darin habe ich die Ideen aus „Hybris“ verwendet. Bei „Hybris“ habe ich gesehen, dass für diese Musik eigentlich ein größeres Orchester besser wäre. Das konnte ich nun für dieses neue Werk ausprobieren. An sich wurde alles umgeschrieben. Das ursprüngliche Material ist erkennbar, aber es wurde auseinandergenommen und zu einem neuen Stück zusammengesetzt. Wiederverwertung ist bei mir mittlerweile die Regel. So oft werde ich auch wieder nicht gespielt, und auf diese Weise kann ich die Musik eines Stückes öfter hören.
Christian Heindl: Was bedeutet das für den Umgang mit den Singstimmen aus der ursprünglichen Oper?
Šimon Voseček: Ich habe vor allem die Zwischenspiele aus der Oper verwendet. Manchmal wurden aber auch Teile aus Vokalstimmen Instrumenten zugewiesen.

Aufnahme: Šimon Voseček: Hypnos (beginnt bei 1:22)

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