19.10.2018, FALTER, Wien Modern Beilage (Das Beste der Woche)

Das sirene Operntheater enthüllt mit B. Traven die Geschäfte von Totenschiffen

In Oskar Aichingers Kammeroper "Das Totenschiff"nach dem Roman des Schriftstellers unter dem Pseudonym B. Traven (Libretto und Regie: Kristine Tornquist) machen Geld und Gesetz gemeinsame Sache. Wer nämlich Ersteres nicht hat, auf dessen Seite steht das Zweitere nicht. Und wer das Gesetz nicht auf seiner Seite hat, ist als Rechtloser verraten und ans Geld verkauft. Der Seemann Gale (Gernot Heinrich) landet unversehens auf der Seite derer, die keine Rechte mehr haben. Ohne Papiere und Aufenthaltsgenehmigung von der Staatengesellschaft an Land nicht mehr geduldet, bleibt ihm nur, aufs Meer auszuweichen. Doch auch auf See muss er auf den sogenannten Totenschiffen anheuern, schwimmenden Höllen wie der Ruine eines Schiffs Yorikke, die als Schmuggelware Waffen im rechtsfreien Raum der Weltmeere bewegen oder - wie die Lucona und im Roman dann die Empress of Madagaskar - nur noch durch ihren Untergang als Versicherungsfall dienen.

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