klang:echo

Klangpunkte 19, klang:echo, Dezember 2004

millimeterkrisen und naturkatastrophen

Nicht weniger als sieben Opernuraufführungen - das ist die beeindruckende Bilanz des Tiroler Landestheaters in dieser Saison. Möglich wird sie allerdings erst dadurch, dass alle sieben an einem Abend stattfanden. Mit dabei: Stretta von Friederike Mayröcker und Wolfram Wagner.
Sieben so genannte "Operellen" (Mini-Opern), jeweils eine Viertelstunde lang, geschaffen von je sieben namhaften österreichischen Autoren und Komponisten: In Koproduktion mit Kristine Tornquists Wiener "sirene Operntheater" hat man in Innsbruck ein aussergewöhnliches Projekt auf die Bühne gebracht, das nach fünf Vorstellungen im Tiroler Landestheater auch drei Abende in Wien im Jugendstiltheater gastiert hat...
Kristine Tornquist, Dramaturgin und Regisseurin zugleich, gab den roten Faden des Abends vor: fünf Personen hausen zusammen auf einem kleinen Planeten, nämlich Johann und Johanna, ein Zwerg, ein Dieb und Voltaire - das Liebespaar schlechthin, der Underdog, die personifizierte "Handlung" und die "Historie" persönlich. Somit waren alle wesentlichen Parameter für die Entwicklung eines Opernlibrettos versammelt: (Vor-)Geschichte, Liebe, Sehnsucht und Veränderung. Das war der Stoff, mit dem Dichter und Musiker arbeiteten, ihre Fantasie spielen und sich paarweise ihre Miniopern einfallen lassen konnten - darunter Peter Planyavsky und Kurt Schwertsik sowie Wolfgang Bauer und Hermes Phettberg. Und nicht zuletzt kam es im Zuge dieses Projekts auch zur ersten Zusammenarbeit der grossen Poetin Friederike Mayröcker mit dem "mehrfach preisgekrönten Wiener Komponisten" (Zitat) Wolfram Wagner bei ihrem gemeinsamen Opus Stretta, eine lyrische Szene für Sopran, Tenor, Sprecher und neun Instrumente. Publikum und Kritik zeigten sich von dem bunten Abend gleichermassen sehr angetan, wie ein Blick in die Zeitungen belegt.

Andere Kritiken