Kronenzeitung, 3. März 2004, Oliver A. Láng

Jugendstiltheater: Jury Everhartz´ Oper "Das Krokodil", Formenti. Zwölf Klaviere und ein Krokodil

Grüne Lusterkerzen, grün auch der Abfalleimer, Besen und Regenschirm: "Das Krokodil", eine Kurzoper von Jury Everhartz, bietet visuell Originelles. Auch wen der Inhalt einige Fragen offen lässt. Beim Eintritt zählt man sofort nach: 1,2,3...tatsächlich, es sind die angekündigten 12 Klaviere statt eines Orchesters!
Und da ist auch das Krokodil - natürlich in Klavierform. Und wen schon nicht kroko-, so doch laubfroschgrün. Dostojewski hat in seinem Fragment, das Everhartz als Vorlage dient, eine Art Kapitalismuskritik betrieben. Löblich die ehrliche Aussage, löblich auch, wie das "Sirene"-Ensemble dem Werk ein musikalisches Gesicht zu geben versucht.
Everhartz hat eine bewegte Musik komponiert, die nur gelegentlich zu lyrischen Atempausen ausholt. Der Klang von zwölf Klavieren übereinander gestapelt ergibt zwar weniger interessante Tonkombinationen, als man erwarten möchte. Aber die anderthalb Stunden sind dank des souveränen musikalischen Leiters Marino Formenti interessant; die Sänger kämpfen sich tapfer durch die Partitur.
Kristine Tornquist hat Regie geführt: einfach, wenig überraschend und im Rahmen des Erwarteten. Eine Arbeit, die tadellos abschnurrt, aber letztlich wenig in Spannung versetzt oder gar fasziniert. Sie hätte getrost der Phantasie mehr Raum lassen können.

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