mica news , 13. September 2011, Vorankündigung

Türkenkind. Eine Kammeroper


Am 14. September 2011 feiert im Schlosstheater Schönbrunn das Musiktheater-Werk „Türkenkind“ seine Premiere. Das auf dem Buch „Maria Theresias Türkenkind“ von  Irene Montjoye basierende, von Kristine Tornquist in ein Libretto umgeschriebene und von Wolfram Wagner vertonte Stück erzählt auf ganz wunderbare Weise die wahre Geschichte der Anna Maria Königin aus dem Wien Maria Theresias. Eine spannende Sache für alle Musiktheater-Freunde. mica Clubmitglieder erhalten 20% Ermäßigung auf die Eintrittskarten.
Irene Montjoye hat für ihr Buch “Maria Theresias Türkenkind” die abenteuerliche Geschichte des willensstarken Mädchens recherchiert. Anna Maria wurde nach dem Pesttod ihrer Eltern als Waisenkind 1737 irgendwo am Schwarzen Meer entführt und als Sklavin nach Konstantinopel verkauft. Zwar hatte sie Glück und wurde als Dienerin eines reichen Kaufmanns gut behandelt, beschloss aber zu fliehen, als der Sohn des Hauses sie zu belästigen begann. Sie rettete sich ins Kloster der Trinitarier, deren Orden christliche Sklaven in muslimischen Ländern freikaufte. Allerdings musste sie davor noch vor einem türkischen Richter beweisen, dass sie ein Recht auf ein freies Leben hatte. Ihr mutiges Plädoyer überzeugte den Richter. Nach Zahlung eines Lösegeldes gab er sie schließlich frei, sodass sie mit den Mönchen nach Wien reisen konnte.
Traditionell zogen die freigekauften Sklaven unter Beifall und Jubel des Volkes von der Alserkirche (gegenüber vom heutigen Universitätscampus) zur Hofburg, wo Kaiserin Maria Theresia Gefallen an Anna Maria fand und sie als Ziehtochter annahm. Sie ließ das junge Mädchen nach sich selbst Anna Maria Regina (Königin) taufen und kümmerte sich persönlich um ihre Versorgung und Ausbildung. Anna Maria, die dankbare Ziehtochter der Kaiserin, lehrte deren Töchter die berühmte Kunst des Stickens nach türkischer Art. Um ihr Glück musste sie aber weiter kämpfen, bis sie den ebenfalls in Konstantinopel entlaufenen Johann von Mohrenheim heiraten konnte. Ihrer vergnüglichen Ehe entsprangen zehn Kinder.
Das glückliche Ende ihrer Geschichte verdankt Anna Maria von Mohrenheim einerseits ihrer eigenen Courage, andererseits der Toleranz der aufgeklärten Monarchin eines Vielvölkerstaates. Mag diese aufgeklärte Toleranz  auf der Seite der Mächtigen auch aus heutiger Sicht idealisiert wirken, ist doch Türkenkind eine Parabel, die davon erzählt, dass man dem Fremden mit Offenheit und Neugier begegnen und nur so eine möglichst entspannte Integration bewirken kann –  vielleicht ohne die heute so häufigen Verkrampfungen?
Kristine Tornquist erzählt im Libretto die Geschichte von ihrem glücklichen Ende her. Ihren Erinnerungen folgend streift Anna Maria eine Schale ihres Lebens nach der anderen ab, bis sie wieder dort ankommt, wo alles begonnen hat – ein Waisenkind am Schwarzen Meer, eben der Pest entkommen, dem Spiel des Schicksals hilf- und schutzlos ausgeliefert. Und doch voll Hoffnung und Zuversicht, dass es irgendwo jemanden geben muss, der sich der Fremden annimmt. Auf der Bühne sind es die beiden Engel Asael und Rafael, die Anna Marias Erinnerungen begleiten und sie durch die Geschichte führen.
Wolfram Wagner vertonte Türkenkind dicht am Geschehen für Sopran, Kammerensemble und Ud, ein traditionelles türkisches Saiteninstrument. Im Rahmen von Das andere Podium gestalten u.a. mitwirkende Studierende der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien unter der Leitung von Wolfgang Aichinger und Dietmar Flosdorf eine Installation und eine Performance zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Thematik der Oper.
Eine Koproduktion von Internationale Sommerakademie PragWienBudapest & Das andere Podium & sirene Operntheater
Irene Montjoye, geboren 1935 in Wien, studierte vergleichende Literaturwissenschaft. Sie lehrt Kulturwissenschaft und Österreichkunde u.a. an der Universität Klagenfurt, an der International University und an der Webster University in Wien.
Wolfram Wagner ist Professor für Tonsatz und Komposition an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Gastvorträge am Pariser Konservatorium und an den Universitäten in Amsterdam und Greensboro/USA. Wolfram Wagners Absicht ist es, hohe emotionale und formale Dichte in Einklang zu bringen. Oft liegen seinen Stücken strenge formale, tonale, metrische, sogar mathematische Konzepte zugrunde, andere Werke oder Sätze sind wiederum sehr frei komponiert.
Kristine Tornquist absolvierte eine Goldschmiedlehre und ein Bildhauereistudium an der Universität für Angewandte Kunst in Wien und kreist frei zwischen Bildender Kunst, Theater und Texten. Sie gründete die Kunstgruppe 31.Mai (1986 – 1991), das Theater am Sofa (1998-2002) und das sirene Operntheater. 19 ihrer Libretti wurden vertont.
Die Internationale Sommerakademie PragWienBudapest (isa) ist der musikalische Sommercampus der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Sie findet jedes Jahr im August in der Semmeringregion sowie im südlichen Burgenland statt. Circa 250 StudentInnen aus über 40 Nationen nehmen 2 Wochen lang an hochkarätig besetzten Meisterkursen teil. Das Erlernte wird in einem parallelen Musikfestival im Rahmen von ca. 35 Konzerten in Schlössern, Burgen und Kirchen der Region präsentiert. Die isa versteht sich als Labor und Experimentierstätte, spartenübergreifende Querschnittprojekte spielen eine wichtige Rolle. 2011 steht die Internationale Sommerakademie PragWienBudapest (isa) unter dem künstlerischen Schwerpunktthema „Liszt und die Sehnsucht nach dem Süden“. Türkenkind ist die erste Opern-Uraufführung im Rahmen der isa.
Das andere Podium – eine Konzertreihe an gewöhnlichen und ungewöhnlichen Aufführungsorten ist ein Projekt von Wolfgang Aichinger und Dietmar Flosdorf im Rahmen des Förderprogramms art:vision – uni:vision 2 der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Die Auseinandersetzung mit einem speziellen Werk, einer Idee, einem Aufführungsort oder einem Zielpublikum bildet jeweils den Ausgangspunkt für die Konzeption von Veranstaltungen, die unter Einbeziehung der Ideen aller Mitwirkenden sowie verschiedener Kunstformen entwickelt werden.
Das sirene Operntheater entstand 1998 aus der Zusammenarbeit von Kristine Tornquist und Jury Everhartz als Uraufführungspodium für Neues Musiktheater, inzwischen wurden 31 Opern und Kurzopern uraufgeführt. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Zusammenarbeit mit österreichischen Autoren und Komponisten.
Termine: 14.9.,16.9., 17.9., 20.9., Beginn: 20:00
Ort: Schlosstheater Schönbrunn, Schönbrunner Schlossstraße 47, 1130 Wien

Andere Kritiken