Arbeitsnotizen des Komponisten zum Libretto

Diese 90-minütige Kammeroper besteht aus 17 ineinander übergehenden Szenen / Bildern und wurde 2011 bis 2012 komponiert, in der Besetzung 8 Sänger, ein Schauspieler und 12-köpfiges Kammerorchester. In der Orchesterbesetzung nehmen 2 Bassklarinetten eine hervorragende Stellung ein, da sie als musikalisches Äquivalent zu den siamesischen Zwillingen Marie und Luise gedacht sind. Die Streicherbesetzung ist in tiefem Register gehalten (2 Bratschen, Violoncello und Kontrabass), um die oft düsteren Stimmungen der Handlung wiedergeben zu können: im Laufe der Handlung geraten die Zwillinge aufgrund ihres politischen Engagements in Konflikt, was in der von Marie gewünschten operativen Trennung gipfelt, die tragisch endet, da nur Luise überlebt.
Die Geschichte des Librettos zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie mehrere, diametral zueinander stehende Themen zu einem geschlossenen Ganzen zusammenwebt - trotz der Unterschiedlichkeit der Denkansätze: siamesische Zwillinge: getrennt und doch voneinander abhängig - emotional verbunden und in Opposition geratend - das Zerissenwerden zwischen verschiedenen Interessen - der gewaltige Themenkomplex politische Arbeit und deren Folgen - Liebe/Emotion/Erotik was widerfährt der einen, was da der anderen? - die Frage der Medizin: was dürfen, was können, was sollen, warum so selbstherrlich - abhängig von den Medizinern, da zusammen nicht lebensfähig - und zuletzt die ethische Komponente usw.

Gernot Schedlberger | Ausführliches Interview mit Gernot Schedlberger | Briefverkehr Schedlberger-Tornquist