Was geschieht?

Die Oper erzählt von der Liebe zwischen der charismatischen Jeanne d’Arc und dem charakterschwachen Gilles de Rais. Gilles verehrt Jeanne, doch seine Sehnsucht wird nicht erfüllt. Jeanne ist ganz dem Krieg ergeben, watet unerschütterlich durch Blut und Greuel und zieht ihre Schlachtgefährten mit. Wenn Jeanne die Stimme des Sieges hört, hört Gilles die Todesschreie seiner Opfer. Nur der Glaube, dass Jeanne Gott und damit die Moral auf ihrer Seite hat, kann ihn beruhigen. Gilles hofft auf die Zeit nach dem Krieg. Doch die Hoffnung wird mit Jeanne am Scheiterhaufen verbrannt. Er zieht sich von den Schlachtfeldern in sein dunkles Schloss zurück, um in den Schreien seiner Opfer Jeannes Stimme zu beschwören. Eine Metapher des Krieges, der voran seine glänzende Seite – und im langen Nachhinein die Abgründe in den Seelen der Überlebenden zeigt.
Der Augustinermönch Pasquerel prüft die junge Kriegerin Jeanne auf ihre Glaubenssicherheit. Sie überzeugt ihn, von Gott in den Krieg geschickt zu werden. Siegreich kehren sie aus der Schlacht zurück, die Stadt ist endlich befreit. Die Feldherr Jean d’Orléans und der Söldnerführer Etienne de Vignolles bewundern das ungewöhnliche Kriegstalent. Der junge Adelige Gilles de Rais aber glaubt leidenschaftlich an die kriegerische Jungfrau und verliebt sich.
Jeanne hat keine Zeit für die Liebe, sie ist ganz auf ihre Mission konzentriert. Gottes Stimme hat ihr befohlen, Frankreichs König zu krönen und das Land von den Engländern zu befreien, koste es, was es wolle. Die Greuel des Krieges erscheinen Gilles nur wegen Jeannes sicheren Versprechens erträglich, Gott selbst habe sie befohlen. Als sie in der Schlacht um Paris erstmals eine Niederlage erleiden, distanzieren sich der König und seine Gefolgsmänner von ihr - und liefern sie den Burgundern und Engländern aus, um einen Waffenstillstand zu erreichen. Jeanne wird gefangengenommen und zum Feuertod verurteilt. Der an Menschen und Gott zweifelnde Pasquerel macht sich Sorgen um das Seelenheil seines Schützlings, doch sie geht voller Zuversicht und Glauben ins Feuer. Die Kriegskameraden fügen sich widerwillig in den Befehl des Königs und sehen ihre von Gefangenschaft und Prozess gezeichnete einstige Anführerin auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Der Krieg ist beendet, das Leben geht weiter. Nur Gilles de Rais kann nicht vergessen. Denn mit Jeanne ist auch sein moralischer Halt verbrannt. Alpträume aus dem Krieg suchen ihn heim, in seinem Kopf hört er die Schreie der Schlachtfelder und sieht Jeannes Feuertod aufs Neue. Zurückgezogen lebt er auf seinem düsterem Schloss Tiffauges, nur in Gesellschaft seines Dieners Poitou, und hofft, mithilfe von Alchimisten und Magiern Antwort auf die Frage zu erhalten, warum Gott Krieg und Tod befohlen hat. Der Alchimist und Arzt Jean de la Rivière kann sich mit seinen vernünftigen Ratschlägen nicht durchsetzen, er kommt schliesslich um. Der düstere Teufelsbeschwörer Francesco Prelati rät dem unglücklichen Baron, im Schrei der Unschuld das Echo von Jeannes Stimme und nach der Antwort zu suchen. Ein Kind soll dafür sterben. Gilles wird wie jeanne dafür verurteilt und hingerichtet.
Der Krieg geht weiter, Orléans und Vignolles ziehen in die nächste Schlacht. Pasquerel erkennt im Gesang der Vögel Gottes Stimme.

Kristine Tornquist