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Österreichische Musikzeitschrift 5/2004, Irene Suchy

Heiter und fasslich - Jury Everhartz "Das Krokodil"

Auf der Bühne des Jugendstiltheaters vierzehn Klaviere, zwölf mit weit aufgerissenen Deckel-Mäulern, die bei fortschreitender Oper die Sänger aufzufressen drohen; eines ist das Sofa, das die wenig trauernde Witwe mit ihren Lippenstiften füllt und für ihre Plaudereien benützt: überzeugend und fast immer zielsicher im Anpeilen der Koloraturen gibt Lisa Fornhammar in dieser Produktion des "sireneOperntheaters" die fröhliche Witwe. Ihr Ehemann ist gefangen im vierzehnten Klavier - einer maulöffnenden, weich gepolsterten Konstruktion Jakob Scheids. Aber das Unglück ist für die Mitmenschen so groß nicht: Bernd Fröhlich erträgt seine Rolle im Instrument liegend gelassen, singt fast bis zur Erschöpfung gegen die Klavier-Vielzahl an und ringt dem Publikum große Bewunderung ab. Das Notenmaterial soll - so hört man - sehr knapp gekommen sein, allein die Leistung des Auswendig-Lernens der Sänger ist beachtlich. Marino Formenti dirigiert die zwölf PianistInnen, die in einer anmutigen Choreographie ihre Plätze wechseln, und das Sängerensemble, bestehend aus dem Kapitalismus frönenden Protagonisten. Als am Ende des sich immer mehr steigernden Klavier-Chor Ruhe hereinbricht, singen die Krokodils-Näherinnen - die bis jetzt an der Seite der Bühne unermüdlich tätig waren - ein entspanntes Nachtlied.
Das Libretto folgt einem Fragment Dostojewskis - Kapitalismuskritik anno 1865. Die Geschichte ist nicht auf Textverständlichkeit hin vertont, sie erzählt sich mehr in eindrucksvollen Bildern. An die Literaturoper glaubt man nicht mehr… Witzige bühnentechnische Tricks unterhalten - die von der Decke fallenden Geldscheine sind eine Verbeugung vor an den Deus ex machina. Die Musik des 1971 geborenen Jury Everhartz verliert an Leichtigkeit und Fasslichkeit mit zunehmender Lautstärke und fallender Sicherheit der Interpreten.
Ein heiterer Abend, dem nur ein wenig Probenzeit gefehlt hat und dem die Anerkennung der exquisiten Premierengäste galt.

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